Annushka. Geschichte

Gewidmet dem Priestermönch Michail (Tschepel),
ohne den es dieses Buch nicht gäbe.

Vorwort

Bei der Bekanntschaft mit der neuen Erzählung von Alexey Alexandrowitsch Fedotow kann bei dem Leser eine Vielzahl von den Eindrücken entstehen — von begeisterten Gefühlen des Dankes für eine eindringliche, ehrliche, ungeschminkte Beschreibung des dramatischen Schicksals einer gläubigen Frau in den Jahren des staatlichen Atheismus bis zu den völlig gerechtfertigten Missverständnissen, die auf die Frage bezogen sind, an wen diese Geschichte adressiert ist? Tatsächlich, es kann der Eindruck erweckt werden, dass die «Geschichten» der Großmutter Anna, der Enkelin bestimmt, — dem Mädchen von sieben Jahren, zu kompliziert sind. Im Laufe der Lektüre wird es aber jedoch klar, dass darin die formelle Methode besteht: die Geschichten und die»Märchen» sind an uns alle gerichtet und vor allem an dieMenschen, die zweifeln, unsicher sind, im Glauben nicht verwurzelt sind. Die menschliche Kleinglaubigkeit verursacht das Staunen und den Zweifel an der Gerechtigkeit des Gottes: das klare Böse ist in dem weltlichen Leben nicht bestraft und das Gute ist «geheim» und für alle bleibt unbemerkt. Aber «die Augen des Herrn sind an jedem Ort: sie sehen gute und böse Menschen» — so sagt das biblische Buch der Sprüche von Solomon(15, 3), und diese weisen Worte sollen ein Trost für die Menschen von schwachen Glauben sein .
Die Heldin des Romans Anna kommt zur Erfahrung der Demut und des Glaubens durch ihr ganzes schweres Leben. Annushka, sich selbst verurteilend für das unerfüllteGelübde (das ohne den Segen der Kirche gegeben wurde), trägt verdiente und unverdiente Prüfungen, die dieses junge, schöne und attraktive Mädchen im Laufe der Jahre zu einer Alten mit einem scharfen Verstand vetwandelt haben. In der Bergpredigt hat Jesus Christus den Gläubigen verboten, einen Eid zu schwören: «Ich aber sage euch, schwöre überhaupt nicht: weder bei dem Himmel, denn er ist der Thron des Gottes; noch bei der Erde, denn sie ist der Schemel seiner Füße; weder bei Jerusalem, denn es ist die Stadt des großen Königs; noch bei deinem Kopf, denn du kannst nicht ein einziges Haar weiß oder schwarz machen. Aber sei euer Wort: ja, ja; nein, nein sein und was etwas mehr ist, das kommt vom Bösen. «(Matthäus 5, 33-37). Anna, die persönliche Versprechen gebend, sich Gott zu weihen, handelt eigenwillig, d.h. buchstäblich «auf eigene Faust» — ohne die in diesem Fall notwendige spirituelle Besprechung mit den im geistlichen Leben erfahrenen Gottesdienern- den Priestern und den Ältesten. Ein fehlgeschlagener Versuch, die Vorsehung des Gottes selbst zu bestimmen, führt zu einem unvorhergesehenen schwierigen Lebensweg — mit Träumen, den shwersten Prüfungen, die der Herr für die Erwerbung der Erfahrung in der christlichen Demut sendet. Aber «…den, der auf den Herrn vertraut, umgibt die Gnade» (Ps. 31:10). Die Göttliche Hilfe kommt nur zu dem Menschen, der sein Vertrauen in den Gott vollig gesetzt hat. Zu diesem Sinne kommen wir, als Leser, indem wir uns mit der Erzählung von A. Fedotov vertraut machen, die zugleich von hoher Kunst und ergreifend ist. Ausflüge in die Geschichte des Landes und die Geschichte des Christentums, die der Autor und Kommentator macht, sind auf dem Hintergrund des allgemeinen Dilettantismus ganz gerechtfertigt (auch in der Milieu der heutigen eifrigen Kirchgänger).
Das Leben eines Christen ist ein unerschöpfliches Meer von Wundern, und in dem Schicksal von Annushka beginnen Wunder zu geschehen. Mit dem Anwachsen der demütigen Gefühle wächst ihre Dankbarkeit gegenüber den Menschen, ob sie gut und böse sind, durch die der Willen des Gottes wirkt. Ein echtes Glück kommt zu Anna in der Weisheit und in der Liebe, mit denen sie ihre geliebte Enkelin beschenkt, indem sie sie bevormundet und die Geschichte ihres eigenen Schicksals erzählt.
Herzliche Geschichte von A.A. Fedotov ist über die Demut – das christliche Gefühl, die uns allen sehr fehlt.

Doktor der philologischen Wissenschaften,
Professor der Abteilung für Kulturwissenschaften und Literatur
Shuyaer Zweig der Iwanowoer Staatlichen Universität
D.L .Shukurov

Vielfältig ist das Unglück des Gerechten,
von allen wird der Herr ihn befreien.
Ps. 33, 20

Die Großmutter und die Enkelin

Ein warmer Sommerwind, durch das offene Fenster hereingeflogen, hat einen kleinen Raum mit Frische gefüllt, als ob er seinen Bewohnern andeutete, dass das Leben in der Tat sehr gut ist.
— Warum bist du so unruhig? — fragte Anna die siebenjährige Lena mit einem Lächeln, liebevoll die Enkelin auf den Stuhl setzend, die versuchte, auf das Fensterbrett zu klettern.
— Nun, Oma! — stöhnte sie unzufrieden. — Ich möchte auf dem Fenster sitzen!
— Es ist denn offen, und in der zweiten Etage. Und wenn du fällst?
— Ich falle nicht!
Aber Anna blickte streng auf die Enkelin, und sie wurde unter ihrem Blick ruhig: in der Tat liebte sie ihre Großmutter sehr, sie wollte nur herumtoben.
— Nun, so ist es besser, — lächelte die alte Frau, mit Interesse beobachtend, wie das Kind einen inneren Kampf zwischen dem, was «wünschenswert» und dem, was «wie es sein soll» ist. – Erinnerst du dich daran, wie du uns erschrocken hattest, als du nur vier Jahre alt warst?
Lena erinnerte sich an alles sehr gut, aber sie mochte es nicht, wenn die Großmutter davon erzählt, deshalb runzelte sie die Stirn und schüttelte den Kopf:
-Neaaa …
— Nun, natürlich! Du hast die Kinder von der StraBe gesammelt und zu dem anderen Ende der Stadt weggeführt. Zum Gluck, haben gute Menschen eine solche Gesellschaft aufgehalten und nach Hause gebracht. Ich wusste nicht, wie ich mich selbst schimpfen solllte! Der Nachbar Sashka wurde dafür bestraft, er war doch der älteste: er war sechs Jahre alt!
— Und das war zu Recht, er sollte nicht die Kleinen hören, er war schon groB genug!
— Und du bist jetzt ein Jahr älter als er.Bist du denn groB?
— Natürlich!
Anna lachte. Es gefiel ihrsehr, wenn ihre Tochter die älteste Enkelin zu ihr zu Besuch nach Hause brachte. Das winzige Zimmer der kommunalen Wohnung wurde sogar größer an diesen Tagen; alltägliche Schwierigkeiten – der betrunkene Nachbar- Radaumacher- lief mit einer Axt rund um die Wohnung, so dass sie gewöhnlich nicht in der Gemeinschaftsküche, sondern auf einem Kocher in ihrem Zimmer zu kochen hatte; eine kleine Pension, die im Laufe der Zeit angesammelten Beschwerden,- obwohl das alles nicht verschwand, trat aber in den Hintergrund. Lenotschka wurde für sie die Hauptsache — zusammen mit ihr kam ins Annas Leben Freude, die es so wenig in ihrem langen Leben gab. Sie war sicher, dass der Herr ihr kleines Mädchen unbedingt aufbewahrt; dass diese Schwierigkeiten, die unvermeidlich sind, treten mit der Zeit zurück, solange ihre geliebte Enkelin bei ihr ist. Und es is seltsamerweise zusammengefallen, dass, wenn Lena bei der Großmutter war, der Nachbar entweder trank nicht und ruhig war, oder 15 Tage der Haft bekam ; die einfachste Nahrung, die Anna sich leisten konnte, mochte ihre Enkelin sehr; sogar das Zimmer wurde größer, so dass es ihnen zusammen nicht eng war…
— Oma, erzähl mir etwas…
Lena hörte gern Märchen und Lieder, sah gern, wie die Alte wunderbare Muster wie im Eden gekonnt malt. Besonders gefiel ihr aber, wie die Oma über «das Göttliche» erzählt.
— Nun, was soll ich dir erzählen? Erinnerst du dich daran, zu wessen Ehren du genannt worden bist?
Daran erinnerte sich das Mädchen gut: zu Ehren der Königin St. Helen. Ihre Mutte fragte die Mutter, Lenas Großmutter enrsprechend, im Mai kurz vor der Geburt, wie sie das Kind nennen sollte. Sie sagte eindeutig, wenn ein Junge geboren würde, so war er Nikolai zu nennen, und wenn ein Mädchen das Licht der Welt erblicken würde, sollte es Elena heiβen. 3. Juni war der Tag ihrer Verehrung von der Kirche. Und das Mädchen war gerade am 3. Juni geboren… Es wuchs frech auf, gehorchte seiner Großmutter nicht, wenn sie mit ihm saβ und lief weg. Aber je älter es wurde, desto mehr die Geschichten, die Anna ihm erzählte, ihm am Herzen lagen. Der innere Wunsch, irgendwohin zu fliehen, allen zum Trotz zu tun, wurde immer weniger, in die Seele kam Frieden.
— Erzähle von David und Goliath! — bat Lena , sich auf einen Stuhl vor die alte Frau setzend.
— Goliath war ein Riese, niemand konnte mit ihm fertig werden. Und David war ein gewöhnlicher Junge, ein Hirt. Und die Waffe, die er hatte, war nur eine Schleuder mit Steine.Er hatte aber eine mächtigere Waffe – einen festen Glauben an den Gott. Dank dem Glauben hat er nicht nur keine Angst vor dem schrecklichen Riesen bekommen, sondern auch hat er ihn geschlagen…
— Was ist «geschlagen»?
-Getötet.
— Und hat es ihm nicht leid getan?
— Goliath?
— Ja.
— Es ist schwer zu sagen, — vertiefte sich Anna in Gedanken. – Es ist leicht zu bedauern, wenn man ein Buch darüber liest, was dich direkt nicht betrifft, oder wenn man davon von jemandem anderen hört. Und dieser Riese tötete die, die für David teuer waren, er war eine Bedrohung für sein ganzes Volk. Es war der Krieg, wann sollte er hier an das Mitleid denken?
Lena runzelte die Stirn und nickte verständnisvoll.
— Und auβerdem lebte der König David vor dem Kommen von Christus dem Erlöser. Damals waren die Menschen brutaler…
— Und sind jetzt alle Leute gut? — fragte Lena ungläubig, die schon mit sieben Jahren wuβte, dass es nicht wahr war. Zum Beispiel, der Nachbar ihrer Groβmutter Onkel Tolja, der mit einer Axt nach seiner Frau läuft, und einmal, als sie sich bei Anna versteckt hat, drohte er auch, die Nachbarin zu töten. –Sie können gut werden.Wenn sie wirklich wollen, und sich viel Mühe geben!
— Und was ist schlimmer: wenn ein Mensch ein groβes Übel macht, oder eine Menge vom kleinen Übel macht?
— Wie ist es?
— Nun, er wird töten, wie David Goliath getötet hat, oder er wird im wesentlichen nichts Shlimmes tun, bloβ bei der Freundin Bonbons nehmen und ihren Zopf ziehen oder von der Oma weglaufen, und sie wird das zu Herzen nehmen, oder der Mutter grob kommen?
— Weiβt du, es ist eine Parabel, sagte Anna, das Lächeln versteckend. Zwei Männer kamen zu einem Alten. Ein Mann hatte eine schwere Sünde, die ständig sein Herz belastete. Der andere Mann hatte, wie du sagst, eine Menge von Dingen, aber es war»nichts Besonderes.»Und der alte Mann sagte ihnen, dass der erste Mann am Ufer des Flusses einen großen Stein nehmen sollte, der kaum aufzuheben war, und der andere- hundert kleine, die nicht schwierig zu tragen waren. Und als sie mit diesen Steinen zu ihm kamen, lieβ der Weise, sie dort niederlegen, wo sie vorher waren.Der erste konnte es einfach machen, weil die Spur vom Stein tief in der Erde war. Aber der zweite wuβte nicht, wo die Steine, die er gesammelt hatte, waren. Und der alte Mann sagte zu ihnen: So ist es, es ist einfacher, eine große Sünde von der Seele zu entfernen, als eine Menge von «kleinen» Sünden zu entfernen! Hast du es verstanden?
— Ja. Die Geschichte über die Steine hat Lena sehr gefallen: es stellte sich heraus, dass sie, solch ein gutes Mädchen, nicht so gut war… So beschloβ sie, das Thema zu wechseln — Und erzäle mir, wie du klein warst…
— Klein? — Das Gesicht der alten Frau wurde traurig. — Nun, hör mal.

Bei einem Landarzt

Der Landarzt Nikolai Petrowitsch, ein grauhaariger Mann in den Vierzigern mit einem «Tschechow – Spitzbart” blickte mit einem Grinsen auf die siebenjährige Anna, die sein Vater, ein wohlhabender Bauer, nicht viel jünger als der Arzt, gebracht hatte.
— Nun, Roman, habe ich deine Tochter geheilt?
-Ja, Nikolai Petrowitsch.
— Und Sie sagen, dass Landmedizin schlechtist!
— Niemand sagt das, — versucht der Bauer ihn zu unterbrechen, aber der Arzt winkte mit der Hand ärgerlich:
— Lass das! Denke daran, was du während der Revolution geredet hast? Dass Landärzte Verbreiter der revolutionären Infektion waren!
— So, es war denn damals eine Bedrohung für das Land, Nikolai Petrowitsch … Und es war seit langem…
— Seit langem? — lächelte der Arzt. — Für einige kann es seit langem sein, zum Beispiel für sie… Sie wurde gerade 1907 geboren, als die Revolution zu Ende war…
— Nun, sie ist vorbei, woran ist sich zu erinnern? — versuchte Roman das unangenehme Gespräch aufzuhören, aber der Arzt war nicht so einfach zum Schweigen zu bringen.
— Oh nein! Aus dem Funken entsteht wieder eine Flamme… Große Dinge stehen uns bevor! — Er schenkte sich Alkohol in ein facettiertes Glas ein, verdünnte ihn mit Wasser und trank, ohne einen Imbiβ einzunehmen. – Hier hast du elf Kinder. Und all sind am Leben! Und warum ist es so?
-Hat der Gott dieGesundheit gegeben?
— Du, dummer Mann! Dank der Landmedizin! Ich bin damit einverstanden, dass der Gott jemandem die Gesundhei schenkt, aber nicht allen! Früher starben die Schwachen. Darum sagen Sonderlinge, dass früher die Menschen gesünder waren. Natürlich, sie waren, die Kranken starben noch im Kindesalter, weil sie von niemandem behandelt worden waren. Aber warte mal, die Medizin wird einen weiteren Schritt nach vorne machen, und die Patienten werden mehr lebensfähig als gesunde Menschen sein!
Anya sah auf den Arzt mit Angst. Er war nicht klar, auf der einen Seite schien er gut zu sein, er hatte sie und viele ihrer Brüder und Schwestern geheilt. Auf der anderen Seite redete er sonderbare Worte, die ihr unklar waren, aber das Herz wie Sandpapier kratzten… Das Mädchen war sehr beeindruckt, als der Vater ihm erzählte, dass es ihrem Landarzt nichts ausmacht, einen Arm oder ein Bein einem Menschen abzuschneiden oder sogar den Bauch zu reiβen und das Innere des Patienten herauszuziehen.
— Warum? – fragte sie dann ängstlich .
-Es kann so sein: um weiter zu leben, muss der Mensch etwas Wichtiges verlieren, antwortete der sich an den Schmerz und denTod gewöhnte Bauer dem kleinen Mädchen nachdenklich. — Zum Beispiel, ist ein Arm oder ein Bein bei ihm gemodert und wenn man sie ihm nicht abschneidet, dann wird die Infektion weitergehen, und er stirbt. Und so wird er noch leben, obwohl es schwierig ist, besonders in Bezug auf unser Dorf…
— Und das Innere? – fragte Anya mit Schauder.
— Was? Es fault auch. Und wenn es beseitigt wird, so ist ein Mann nicht so gut wie neu, aber noch in der Lage, zu leben.
— Fürchtet sich der Arzt nicht, lebendige Menschen zu schneiden?
— Nein, lächelte der Mann. – Wer sich davor fürchtet, der geht nicht in die Medizin. Aber da ist es das andere wichtig: man muss gerade das abschneiden, was abzuschneiden ist und so, wie es sein soll, das ist das schwierigste. Und es kann auch so sein, dass man nichts abschneiden kann, man kann so heilen. Und unser Landarzt, zu seiner Ehre, versuchte immer so tun, was das Beste für den Patienten war.
Seit dieser Zeit hatte das Mädchen Angst vor dem Arzt, aber es bekam auch Respekt vor ihm. Als es Magenschmerzen hatte, und der Vater es zur Behandlung nahm, wurde es ruhig und dachte den ganzen Weg an etwas anstrengend.
— Und werden Sie meinen Magen zerschneiden? — stellte es zuerst dem Arzt die es aufregende Frage.
— Wieso? – lachte er, sah sofort mit seinem erfahrenen Auge, dass die Behandlung nicht schwierig sein wird.
— Papa sagte mir, dass Sie bei den Leuten den Bauch zerschlitzen, wenn es ihnen etwas weh tut.- Bei allen? — blickte Nikolai Petrowitsch auf es listig .
— Ich weiß nicht, wurde Anna verlegen.
— Na, dann: als Ausnahme, werde ich nichts bei dir zerschlitzen. Du wirst diese Mixtur eine Woche lang trinken, und ich denke, dass alles gut geht.
Und jetzt, eine Woche später, als alles vorbei war, und die Bedrohung der Zerschneidung des Magens etwas aus dem Bereich der Fantasie dem Mädchen zu scheinen begann, wollte es immer noch das ungemütliche Kabinett des Landarztes verlassen, wo in einem Glasschrank irgendwelche furchtbaren medizinischen Instrumente lagen, die den Folterinstrumenten ähnlich waren, es nach unangenehmen Arzneien roch, dazu kam noch, dass die leidenden Patienten in dem überfüllten Wartezimmer warteten, deren Äuβere auch einen Erwachsenen aus dem Gleichgewicht bringen konnte, geschweige das Kind. Anna hörte nicht, wovon der Doktor und der Vater sprachen; schließlich verstand sie, dass ihr Gespräch zu Ende war.
-Wir sollen gehen, Nikolai Petrowitsch, — sagte Roman versöhnend.
— Nun, geh! … winkte der Arzt. — Dunkelheit!
Plötzlich flog Styopka, der Kerl von 15 Jahren, in die Tür ein.
— Was tust du? — fragte der Arzt streng.
-Ein Unheil brach herein! Der Krieg hat begonnen! Mit den Deutschen!
— So ist es! — sagte Nikolai Petrowitsch nachdenklich, nahm eine Zigarette heraus und zündete sie krampfhaft an. — Na ja, der Krieg zwischen den Nationen wird in den Krieg zwischen den Klassen übergehen. Die zweite russische Revolution soll sein!
Es gab einen beängstigenden und jübelnden Ausdruck in seinem Blick. Er tat einen Zug, und dann bekam er einen starken Hustenanfall: bei dem Arzt begann die Schwindsucht, er konnte sie nicht heilen.
— Geh schon! — winkte er dem erstarrten Roman.
Der, in einen Stupor von der schrecklichen Nachricht gefallen, bekreuzigte sich mechanisch und schob Anya, die selbst nicht verstand, warum sie weinte, auf den Rücken und verlieβ das Haus des Arztes.

Kindheit im Dorf

Annushka war das neunte Kind in der Familie eines «wohlhabenden» Bauern, wie es gemeint war. Aber was für ein «Wohlstand» mit elf Kindern? Es gab damals in Russland viele von denen, die zu schätzen wussten, was sie hatten, obwohl e es nicht viel war. Sie lebten in einem Dorf des groβen Gouvernements Nischniy Nowgorod.
Die Mutter nannte Anya «Annushka». Das Mädchen hatte weißes, gelocktes Haar – na, ja, wie ein Engel, wie man ihn auf den Ansichtenkarten malt. Sie war besheiden, gehorsam, ruhig, was noch ist zu fordern? Aber ihre Eltern, Roman und Pelageya, ärgerten sich, dass ihreTochter etwas seltsam war, als ob sie «nicht von dieser Welt war.» Sie spielt immer allein, scheut die Gesellschaften, treibt Unfug nicht, sie geht gern in die Kirche beten.
Und sie hatte eine Menge von Talenten -sie konnte singen und zeichnen, und hatte gute Fähigkeiten zum Lernen, aber sie konnte in der kirchlichen Schule nur einen Winter lernen: in der Familie wurden noch zwei Kinder geboren, sie musste sie pflegn, der Mutter helfen.
Und der Priester-Katechet bedauerte sehr, dass Anna aus der Schule fortgegangen war: er kam sogar zu ihnen nach Hause, überredete Pelageya, die Tochter zur Schule gehen zu lassen. Aber sie gab nicht nach: wer wird mir zu Hause helfen? Andere Kinder halfen bereits dem Vater in seiner schweren bäuerlichen Arbeit: der “Wohlstand” wurde auf einer gewaltigen Arbeit aller Mitglieder groβen Familie von der frühen Kindheit an aufgebaut. Sie hatten ein Pferd, eine Kuh, anderes Vieh, alle brauchten Pflege. Sie muβten den Boden bebauen. Landarbeiter hatten sie überhaupt keine. So war es Anya nicht möglich, zu lernen, obwohl sie eine fleißige Schülerin war.
Die Bauernkinder verstanden das Gottesgesetz schlecht, sie hatten entweder keine Fähigkeit oder kein Interesse, oder vielleicht der Pfarrer konnte es nicht wirklich erklären. Er hat ihnen von der Dreifaltigkeit, von zwei Naturen in Christus — göttliche und menschliche — erzählt, aber wie hat er erzählt? Er hat aus dem «Katechismus» vom Metropolit Filaret gelesen, den sogar ein mancher Erwachsener zum ersten Mal nicht versteht, und dann hat er gefragt: «Wie viele Götter haben wir?” Man sagt – drei, man sagt — zwei. Nur Anja quietscht mit einer dünnen Stimme: «Ein!» Der Priester lobte sie; aber das Mädchen hatte jedoch das Verständnis der Theologie eher von dem Gebet als von dem kurzen Lernen;, wie es im Evangelium geschrieben ist : «Selig sind die, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen.»
Der Krieg begann, das Leben wurde noch schwieriger.Nach der Revolution wurde es überhaupt schlimm. Sie hatten sogar das Brot nicht genug. Einmal sitzt Annushka auf der Straße, spielt, und sieht plötzlich eine Kutsche fahren. Sie ist vergoldet und schöne, gepflegte Pferde sind in sie angespannt, so etwas kann man im Dorf nicht sehen. «Warum ist die Kutsche in unserer Gegend?» — dachte das kleine Mädchen, und die ist neben ihr angehalten. Aus dem Wagen steigt eine Frau von einer auβergewöhnlichen Schönheit aus, sie ist majestätisch; vermutlich ist die Königin. Sie kam auf Anna zu und fragte:
— Was, Anna, möchtest du essen?
Und sie war immer hungrig. Wie ist es oft in einer großen Familie? Wer Zeit hatte, der aß, und in den hungrigen Zeiten konnte das Mädchen überhaupt nicht satt essen.
— Ich möchte, sagt Anya.
Und die Königin gab ihr einen Laib Brot, weiß und rot.
— Iβ, Annushka.
Sie stieg in die Kutsche ein und fuhr davon. Anya hatte sogar in den Gedanken nicht, etwas heimlich von den anderen zu essen. Sie brachte den Laib der Mutter.
— Wo hast du das her? — fragte Pelagia erschrocken.
— Die Königin gab…
Die Mutter hat nicht sehr dem Mädchen geglaubt, nahm aber das Brot, sagte streng niemandem über das, was war, etwas zu sagen, und teilte den Leib für alle.
Es schien, dass das Schwierigste war, die Jahre des Bürgerkrieges durchzumachen, aber dann wurde es für die Bauern nicht leichter. Die Kollektivierung begann, Roman wurde enteignet.
— Was für ein Kulak bin ich? – weinte beinahe der Mann, bei dem man das ganze Vieh fortgeführt hatte, ihre Sachen, die dank der die Kräfte übersteigende Arbeit der groβen Familie verdient worden waren, wurden ihnen entnommen, . — Ja, wir hatten überhaupt keine Landarbeiter, wir arbeiten alle vom Morgen bis zum späten Abend und kommen mit dem Gelde knapp aus, können sogar die Kinder nicht satt ernähren!
Aber wer wird dem Mann zuhören? Die Kinder lebten hungernd. Annushka pflegt die jüngere Schwester und singt ihr ein Lied, das sie sofort erfunden hat:
Iβ, Dunya, die Brühe,
Es gibt keine Milch:
Sie nahmen die Kuh,
Sie nahmen sie in aller Frühe.
Es war sehr schwer, aber alle überlebten. So ist Anna unter all diesen Heimsuchungen aufgewachsen. Es ist für sie Zeit gekommen, zu heiraten.

Das gestörte Gelübde

Annushkia`s Weg zur Ehe war lang. Ihre Seele wollte es nicht. Seit der Kindheit träumte sie von dem Leben in einem Kloster. Besonders liebte sie das Seraphim Diveevoer Kloster. Aber sie konnte dort nicht oft sein: es war mehr als hundert Meilen von zu Hause, es war nicht leicht für ein Bauernmädchen zu der Zeit solch einen langen Weg zu überwinden. Aber Anna ging mehrmals zusammen mit anderen Pilgern nach Sarov und Diveevo. Sie wurde von den majestätischen Tempeln, dem rührenden Gesang des Schwesternchors beeindruckt; sie ging den Graben des heiligen Seraphim entlang, das Jesus-Gebet lesend. Einmal, als sie den Graben entlang ging, fuhr ihr der Gedanke durch den Kopf, auf die Äbtissin zuzukommen und sie darum zu bitten, eine der Schwestern zu werden, aber Anna verwarf diesen Gedanken — und ohne Dorfmädchen gibt es jene, die in dieses herrliche Kloster kommen können.
Sie dachte an das einfachere Kloster, aber das gelang nicht: die Eltern waren dagegen. «Wir müssen noch zwei jüngere Kinder groβziehen, dann ist dein Wille, jetzt aber hilf mir, der Vater ist so krank!» — sagte Pelagia streng, und dieTochter bekam das Gefühl, dass sie richtig war.Und wirklichstarb Roman ein paar Jahre später.
Aber als Anna älter wurde, begann man Klöster zu schließen. Im Geheimnis ihres Herzens entschloß sich Annushka, das Gelübde der Jungfräulichkeit zu bringen und es ihr ganzes Leben zu befolgen. «Und dann kann sie mit der Zeit Nonne werden,» dachte sie. Und plötzlich wurde Pelagia krank. Es war notwendig, sich um sie zu kümmern. Sie beteten zusammen, das Leben der beiden war ruhig.
Viele Männer begannen Anna zu umwerben. Sie war ein schönes Mädchen: blonde Haare, blaue Augen, schlank, sie war hoch von Wuchs, mit rosigen Wangen, schwarzen Brauen. Aber sie verweigerte alle: sie dachte daran, was sie dem Gott versprochen hatte.
Es wurde Pelagia immer schlimmer. Eines Tages lag sie auf dem Bett, und plötzlich sagte zu ihrer Tochter:
— Komm zu mir!
— Was, Mutter? – fragte sie.
— Ich sterbe bald, es bleibt mir nicht viel zu leben.
— Was du nicht sagst, du wirst noch lange leben! — entgegnete Annushka, aber sie fühlte schon, dass ihre Mutter heute stirbt. Es erstach das Herz, die Tränen quollten in den Augen, aber äuβerlich zeigte sie es nicht: sie wollte nicht, dass es der Kranken noch schwieriger wurde.
— Alles hast du verstanden, wie ich sehe. — Pelagia war nicht anzuführen. – Hör mal, was ich dir sage: erfülle meine letzte mütterliche Bitte, oder ein Segen, wenn es dir so klarer ist.
— Was, Mutter? — fragt die Tochter.
— Versprich mir, dass du heiratest, wenn ich sterbe! — und den möglichen Einwänden zuvorkommend, sprach Pelagia schnell: — Unser Haus erbt dein älterer Bruder Timothey, du verträgst dich mit seiner Frau nicht sehr gut. Und ist es gut als Mieterin zu leben? Von all deiner kindlichen Fantasie über Nonnen weiß ich alles, aber sieh mal: man hat alle Klöster geschlossen, und man muss irgendwie leben. Aber wie? Was kannst du tun?
Anna lieβ den Kopf sinken, es stellte sich heraus, dass sie von selbst überhaupt nicht leben konnte, nur dank den Eltern, so war es immer.
— So ist es! — Die Mutter sah, dass ihre Worte eine geplante Auswirkung hatten, und sie setzte fort. — Und was kannst du mir widersprechen?
Anna wollte über ihr Gelübde sagen; sie dachte, dass ihre Mutter sie dann zu heiraten nicht bittet aber sie hatte Angs und wusste nicht, warum; irgendwelche falsche Angst vor etwas hat sie ergriffen. Und dann, als Pelagia starb und die Brüder und die Schwestern begannen ihr zu sagen, dass sie heiraten muβte, dass es eine Schande für ein Dorfmädchen war, allein zu sein, und dass sie ins Kloster nicht gehen konnte, weil alle Klöster geschlossen waren, konnte Anna ihnen nicht widersprechen und heiratete den, der sie umworben hatte.

Drei Brüder

Als Pelageya starb, war Anna 27 Jahre alt. Damals galt sie als ein zu altes Mädchen. Aber ihre Schönheit zog viele an.
Es lebten drei Brüder- Michael, Peter und Fyodor in einem nahe gelegenen Dorf. In russischen Volksmärchen ist in der Regel der ältere Bruder der klügste, und der jüngere Bruder ist «Dummkopf.» In dieser Familie war das Gegenteil: der ältere Michael liebte Frauen und Wein. Er hatte heißes Blut: er mischte sich leicht in eine Schlägerei ein, wenn etwas nicht so war.Nicht einmal hat er die Strafe dafür verbüβt. Der jüngere Bruder Fyodor, im Gegenteil, studierte in Moskau, strebte nach etwas. Er war ein überzeugter Atheist. Dem mittleren Bruder Peter gefiel Annushka; er war, wie es für einen mittleren Bruder üblich war, «weder Fisch noch Fleisch.»
Er hatte auch heiβes Blut, obwohl es nicht so war, wie bei dem älteren Bruder. Sie heiratete ihn ein Jahr später nach dem Tod ihrer Mutter, und ein Jahr später gebar sie die Tochter Sasha. Peter, obwohl er jünger als seine Frau war, war aber eifersüchtig auf jeden Stumpf, obwohl sie nicht einen Grund dazu gab. Und was noch schlechter war — schlug er sie.
Der jüngerer Bruder schalt ihn, als er kam:
— Was für ein Kerl bist du, wenn du deine Frau schlägst?
— Ah!!! Du hast ein Auge auf sie geworfen! — Er kochte vor Eifersucht und warf sich auf ihn.
Fyodor und Anna sprachen viel, aber es gab keine Rede darum, etwas zu sagen, was sie in der Gegenwart von Peter nicht sagen konnten, aber wie ist es, einem Menschen zu erklären, bei dem die Eifersucht in dem Kopf so stark sitzt? So im Laufe der Zeit kam der jüngeren Bruder ins Haus der Familie immer seltener, aber er unterhielt gute Beziehungen zu Annushka, obwohl nicht alles in ihr ihm gefiel.
— Was betest du die ganze Zeit? — fragte Fjodor gereizt.
— Es ist für mich zu beten so natürlich wie zu atmen…
— Wow, was für ein Unsinn hast du erfunden! All dein Glauben kommt von der Unkenntnis! Du hast nur sechs Monaten gelernt, deshalb sitzt der Unsinn des Priesters so fest in deinem Kopf. Und wenn du in der Schule lernst, und sogar am Institut studierst, so würde man alles aus dir ausklopfen, weil du ja eine kluge Frau bist!
— Dann ist es gut, dass ich dann nicht mehr lernte, antwortete Anna einfach.
— Es gibt solche Vögel — Strauße. Sie stecken den Kopf in den Sand und denken, dass wenn man sie niemand sieht, dann sehen sie auch niemanden.Sie versuchen, sich vor dem Leben zu verstecken. Mein älterer Bruder Iwan füllt die Leere mit Schnaps aus und du — mit dem spirituellen Alkohol. Wie Karl Marx sagte, die Religion das Opium des Volkes ist.
— Also, was f Leere, Fjodor? -wunderte sich die Frau. — Ich habe keine Leere.
-Es scheint dir.Du lebst im Sowjetland, in welchem jeder große Taten tun kann, aber dein Leben verläuft wie unter dem alten Regime. Nun, was für ein Leben führst du? Keine Ausbildung, keine wirklichen Interessen, dein Mann ist Tyrann…
— Peter ist gut, nur sehr eifersüchtig, antwortete Anna. — Und warum ist das so?
-Vom Zweifeln an sich selbst. Ein Mangel an dem Vertrauen kommt von einem Mangel an der Bildung, aber vor allem, von einem Mangel an dem Klassenbewusstsein. Dennoch ist der Bauer kein Proletarier. Er hat keine wirkliche Vorstellung davon, was der reale sowjetische Arbeiter ist und was seine große Berufung ist. Kein Wunder, dass unsere erste Verfassung für die Stimme eines Arbeiters vier Stimmen der Bauern gegeben hat!
— Und warum bist du nicht Arbeiter sondern Ingenieur geworden? – fragte die Frau vorsichtig.
— Weil sich die Grenzen zwischen den Arbeitern und der werktätigen Intelligenz, die einTeil der Arbeiterklasse ist, verwischen, weil sie aus ihr herauskam und durch ihre belebende Kraft ernährt war. Unsere Stalin Verfassung von 1936 ist die am meisten demokratische in der Welt: sie hat nicht nur den Bauern gleiche Rechte mit den Arbeitern gegeben, sondern auch den Ausgestoßenen, die zu Beginn des Sowjetstaates der Wahlrechte beraubt worden waren, — den ehemaligen Ausbeuterklassen. Jetzt können sie keinen Schaden unserem groβen Lande verursachen! Aber das höchste Gut ist die Angehörigkeit der Arbeiterklasse!
-Du hast so wie ein Jahr als Arbeiter gearbeitet?
— Zwei. Und es war mir völlig genug, das Notwendige für das Leben, was nur der Hegemon — die Arbeiterklasse geben kann, einzusaugen!
Solche Gespräche fielen Anna schwer, sie hat nicht alles in ihnen verstanden. Im Evangelium steht es, dass der Hegemon (Igemon wurde dort geschrieben) — Pontius Pilatus ist , und da stellte es sich heraus, dass das die Arbeiterklasse ist. Wenn sie mehr gebildet wäre, so würde sie die Bilder,die durch ihren Kopf liefen, in Form einer Frage formulieren, ob der neue kollektive Hegemon Hände in Unschuld nic- nicht gewaschen hat — denn es wurde im Land schlimmer als bei den «alten Regime», dass alle so verflucht hatten? Aber sie fühlte, dass Fyodor gut war, er glaubte wirklich an das, was er sagte. Aber er glaubte nicht an das, an was zu glauben war. Aber dieses Gebet war nicht einfach: Peter begann plötzlich auf sie zu Fyodor eifersüchtig zu sein, und es passierte, dass er die Hand gegen die Frau erhob. «Vielleicht ist es, weil ich mein Gelübde brach, so muss ich demütigen», — dachte Anna.
Und als sie mit ihrem Mann drei Jahre gelebt hatte, wurde bei ihnen der Sohn geboren.

Kolenka

Anna verehrte St. Nicholas sehr. Seit der Kindheit betete sie zu ihm.
Eines Tages, als sie noch sehr klein war, ging sie zum Fluβ. Pelagia war am Ufer, sie wurde durch etwas abgelenkt, dann sah sie, dass dieTochter ertrank. Und sie ist schon weit vom Ufer geschwommen, aber die Mutter konnte selbst nicht schwimmen.Sie wirft sich hin und her am Ufer entlang, schreit, und die Hilfe ist von nirgends zu erwarten. Dann kniete sich Pelagia und begann mit den Tränen in den Augen zu St. Nicholas zu beten.
Und Anna fühlt im Wasser, dass es sie bedeckt und in die Tiefe zieht. Sie ist noch sehr klein, aber sie versteht, wenn sie jetzt einschläft, dann erwacht sie nie. Und sie sieht, wie der Heilige von der Ikone, die im Haus hängt, fragt sie so freundlich: «Nun, Anna, willst du zu dem Gott gehen?”. Und die, obwohl sie klein ist, versteht, wenn sie stirbt, so werden dieEltern leiden. Sie sagte nichts dem Heiligen, aber er verstand sie. «Nun, spricht er, – da betet deine Mutter am Ufer für dich. Bitte du auch! «. Und Anna sagte nur ein Wort «Hilf», und gleich stieβ sie irgendwelche Kraft direkt ans Ufer hinaus.
Sie hat sich ihre wunderbare Rettung für das ganze Leben eingeprägt, immer betete sie zu St. Nikolaus. Deshalb, als der Sohn geboren wurde, nannte sie ihn Kolenka, obwohl Fyodor, mit seinem Klassenbewusstsein, modernere Namen — Wilenin oder, im schlimmsten Fall, Traktor ihr und ihrem Mann vorgeschlagen hatte. Aber Peter hat in diesem Fall seine Frau unterstützt. «Nenne deine Kinder so, wenn du sie bekommst”, sagte er seinem Bruder kurz.
Er schien froh zu sein, dass der Sohn geboren wurde, aber einige Zweifel quälten ihn immer mehr, er glabte seiner Frau nicht. Wenn er ihr zuhört, so scheint es ihm, dass es keinen Grund gibt, eifersüchtig zu sein, aber wenn er allein mit sich selbst bleibt, so wird er wieder von den Gedanken geplagt. Er sagte direkt nichts, aber anscheinend zweifelte er daran, dass der Sohn sein war. Und wenn er trank, dann begann er Anna so zu schlagen, dass, obwohl sie sehr geduldig war, sie beschloβ in die Stadt zu ihrer Schwester zu fahren. Die, als sie die blauen Flecken auf ihrem Körper erblickte, obwohl sie es nicht leicht mit der Familie hatte, sagte gleich: «Komm zu mir.» Anna kam zu ihr mit Kolenka — die Großeltern, die Eltern von Peter, haben Schura nicht gegeben – sie haben ihre Enkelin sehr geliebt, auf sie haben sie ihre einzige Hoffnung gebaut. Und auβerdem würde sie es allein in der Stadt mit ihren beiden Kindern nicht schaffen.
In den ersten Monaten war alles gut — Kolenka wuchs gesund auf, freute seine Mutter. Nur hat er nicht lange gelebt: er starb an einer Lungenentzündung, als er sechs Monate alt war.
Kurze Zeit davor kam eine Nachbarin zu ihnen, über die man klatschte, dass sie den bösen Blick hatte. Sie sah Anya`s Sohn und sagte:
— Was für ein guter Knabe! Wie alt ist er?
— Sechs Monate, antwortet Anna.
— Bah!Und ich dachte zwei Jahre!
Und sie begann darüber zu erstaunen. Das Kind wurde dann launisch, er erkrankte und starb. So dachte Anna, außer sich vor Trauer, dass man ihren Sohn verhext hatte; erst viele Jahre später sagte der Priester ihr während der Beichte,dass ohne den Willen des Gottes kein Haar vom Kopf eines Menschen fallen wird, dass es sein kann, dass der Herr ihren Sohn genommen hat, denn sonst wären zu ernst seine Lebensprüfungen. Später, unter den Sorgen, erinnerte sich Anna immer an diese Worte, wohl wissend, dass es jetzt ihrem Jungen schrecklich schlimm gehen könnte. «Aber trotzdem hat sie den bösen Blick!» — dachte sie zur gleichen Zeit.

Der Stadtpriester

Anna beschloβ, einen Beichtvater in der Stadt zu finden. Es ärgerte sie sehr , dass sie ihr Gelübde verletzt hatte, sie verband damit alles Schlechte, und sie brauchte einen Rat eines erfahrenen Pfarrers, der ihr eine Richtung geben würde , wie sie weiter leben sollte. Die Frau hat sich diese Gedanken ihrer Nachbarin Tante Shura mitgeteilt. Sie war eine sehr aktive Gemeindemitglied- sie wuβte alles nicht nur über alle Priester der Stadt, sondern auch über den ganzen Klerus der Kirche und über alle Sänger , und noch viel über andere. Sie hatte über alles ihr Urteil.
— Ich habe dem Herrn versprochen, — sagte Anna ruhig.
— Was hast du versprochen? — fragte Tante Schura sachlich,während sie die Sonnenblumenkerne aushülste.
-Meine Jungfräulichkeit zu bewahren.
— Nun, du hast das Versprechen aus Dummheit gegeben, aus Missverständniss, was es war. Du hast genug Nonnen in schönen schwarzen Roben gesehen, die all ihre Mängel verbergen, die nicht in Hütten, sondern in reichen Klöstern leben, da hast du sich vieles ausgedacht. Aber das ist alles nur eine Fantasie, eine kindliche Erfindung!
— Aber…
— Aber was?
— Ich muβ mit dem Priester sprechen…
— Aber wollen wir zu dem Vater Isidore gehen, er ist der gebildeste Priester von denen, die ich in meinem Leben gesehen habe. Er wird dich belehren.
Die Frauen kamen zu dem Vater Isidore. Er war wirklich sehr gebildet, hatte progressive Ansichten. Er hat eine Universität abgeschlossen. Den Gemeindemitgliedern sagte er, dass ihre Kirche von nun an nicht eine einfache, sondern eine lebende Kirche war, und die Einwohner dieses Städtchens verstanden nicht ganz, was das wirklich war. Man kann ihnen sogar einen halben Tag erklären, aber sie werden immer noch nicht verstehen, wer die Erneuerer sind. Und so hat man ihre Kirche nicht geschlossen, man hat den neuen Priester im Gegensatz zu dem alten nicht berührt. Und der Priester war in allem gut: er sagt Predigten besser als ein Redner auf der Kundgebung, und er kennt den Gottesdienst gut, aber er hat ihn zweimal kürzer gemacht, er sagte, dass das nicht wichtig war. Und nicht irgendein zottiger Priester: geschnittenes Haar, ein Blick aus Stahl, man kann sagen, dass er fast keinen Bart und keinen Schnurrbart hat. Und zu jeder Lebenssituation hat er etwas aus der Heiligen Schrift und von sich selbst zu sagen. Dann, als das gottlose Planjahrfünft angekündigt wurde, machte er einen Aufstieg: er wurde in das NKWD (das Volkskommissariat der innerlichen Angelegenheiten) aufgenommen, trotz seiner dunklen religiösen Vergangenheit. Also eine unbestrittene Autorität!
— Oh, Vater Isidore, wie froh ich bin, Sie zu sehen! I Es ist immer angenehm, einen solchen Menschen zu treffen! – scharwenzelte Tante Schura.
— Nun, schon gut! – unterbrach er sie mit einem zufriedednen Grinsen. – Wen hast du zu mir gebracht?
— Ja, das ist meine Nachbarin, Anna, sie sucht nach einem Beichtvater für sich. Es quälte ihre Seele, dass sie dem Gott ein Gelübde der Jungfräulichkeit gegeben hatte, aber sie gehorchte der Mutter und den Verwandten und heiratete.
— Bist du Nonne gewesen? — blickte Vater Isidore auf das Mädchen mit einem Lächeln .
— Nein, Vater.
— Also, was für ein Gelübde hast du gegeben? Wem?
— Selbst. Dem Gott. Das Gelübde der Jungfräulichkeit…
— Du, dummes Mädchen! — sagte der Priester spöttisch. — Warum quälst du dich? Was war, das ist vergangen. Beurteile selbst, wozu der Gott deine Jungfräulichkeit brauchen würde? Braucht Er denn das? — Und es war so viel zynischer Gewiβheit in dem Ton, mit welchem das ausgesprochen wurde, dass Anna zögerte: ob sie wirklich etwas nicht verstand? Und ihr Begleiter, den ausgeübten Einfluβ beobachtend, setzte selbstbewusst weiter fort: — Vor Hunderten Jahren lebte in Europa ein Christ, der reinste Mann, Martin Luther. Er kämpfte mit der katholischen Ketzerei und besiegte sie in einem bestimmten Land. Er war ein Mann von großer Kraft des Geistes. Er war Mönch und heiratete eine Nonne. Würde er dies getan haben, wenn er das nicht tun durfte?
Anna hat nicht über Luther gehört, und er hatte keinen orthodoxen Namen, aber sie entgegnete zögernd:
— Vielleicht war er ein guter Mann, aber stolperte, wir sind alle schwach, und der Gott vergab ihm?
— Vergab! — machte ihr der Versucher nach. Er hat nicht mit zwanzig Jahren, sondern mit mehr als vierzig Jahren geheiratet.Allerdings war die Nonne damals sechsundzwanzi g… Wie alt warst du, als du heiratetest?
— Achtundzwanzig … murmelte Anna.
— Nun, siehst du, zwei zusätzliche Jahre warst du frei. Und hoffentlich, hast nicht einen alten Mönch geheiratet? — lachte Vater Isidore.
— Nein, einen gewöhnlichen Kerl vom Lande…
— Und was gefällt dir nicht?
— Das Leben ist sehr schwierig dann geworden. Wahrscheinlich leide ich, weil ich das Gelübde verletzt habe?
— Deshalb? Du würdest sowieso leiden. Oder du würdest nicht leiden.Das eine ist mit dem anderen nicht verbunden. Dieser Martin Luther hatte, übrigens, sechs Kinder, und er starb im hohen Alter.
— Und seine Frau?
— Seine Frau? Sie hat auch mehr als ein halbes Jahrhundert gelebt, sehr gut für das sechzehnte Jahrhundert!
— Aber…
— Aber du hast kein offizielles Gelübde gegeben,sagte der Priester schon zart und nahm ihre Hand. – Das ist bloβ deine Erfindung. Quäle dich nicht…
— Nun, wenn es wahr ist, also…
— Es ist jedoch wahr, nickte der Vater Isidore. — Gehe jetzt, ich muss Alexandra beichten lassen.
— Hier, Vater Isidore, wie kompetent haben Sie ihr alles erklärt und noch Katharina von Bork als ein Beispiel geführt! – sagte Alexandra mit einem bewundernden Lächeln, die Hand des Priesters küssend.
— Und woher weiβt du, wie die Frau von Luther hieβ? – fragte er misstrauisch.
-Ich habe ja auf dem Gymnasium studiert, beleidigte sich Alexandra.
— Du hast gut studiert. Ich glaube, es ist unsere gemeinesame Sache, die Menschen nicht zu stören, in eine helle Zukunft zu gehen! — antwortete er ihr lustig. Und sofort rief er auf: — Wie stark will ich rauchen, und sie hat mich so nervös gemacht! Nun, was für Sünden hast du?
-Jch erinnere mich nicht an irgendwelche Sünden: ich habe niemanden getötet, bin meinem Mann treu geblieben, habe nichts gestohlen…
— Nun, das ist vorzüglich, so kann man sagen — fast eine Heilige! Und jetzt, hast du noch eine verlorene Schaf auf den richtigen Weg gerichtet! — rief der Priester fröhlich auf, warf auf den Kopf von Alexandra die Stola schnell, las ein Gebet hastig , und, sein Gewand werfend, kam aus dem Tempel fast laufend hinaus, um zu rauchen.

Der Preis für einen Laib und eine Viertelstunde

Der Große Vaterländische Krieg brach aus. Peter ging an die Front, und bald verschwand er spurlos. Er ist vom Krieg nicht zurückgekommen. Die Schwester hat Annushka eine Stelle in der Fabrik verschafft. Es war jetzt nicht mehr zu denken, die Tochter zu sich zu nehmen: die Zeit war schwer, hungrig, im Dorf war das Leben leichter. Aber sie ging zu ihrerTochter jedes Wochenende.
Anna schien frei zu werden; die Männer, die nicht in den Krieg gezogen waren, achteten auf sie, obwohl es einsame Frauen in Fülle und Hülle gab. Nachdem sie dreißig Jahre alt geworden war, blühte ihre Schönheit noch mehr auf. Sie war nur sehr empfindlich; sie dachte, dass jetzt kein Mann in ihrem Leben sein wird. Die Frauen hatten sie nicht gern.»Es ist nicht ihre wahre Schönheit! – schwatzten sie unter sich. — Wahrscheinlich schminkt sie sich. Wo nimmt sie die Farbe in solcher harten Zeit? «. Sie beschlossen, eines Tages zu sehen, was sie wirklich war. Sie nahmen eine Bütte mit kaltem Wasser und gossen das Wasser über sie direkt auf dem Werkhof aus. Aber Anna wurde noch besser — sie hatte ja keine Kosmetika, die Schönheit war doch ihre eigene. Die Frauen wurden verstimmt, eine von ihnen weinte sogar von der Beleidigung.
Und da ging der Betriebsleiter — Amir Bekhanovitsch vorbei . Er war ein Tschetschene. Sein Name bedeutete «der Herrscher» und der Namen des Vaters -«der Fürst». Obwohl es im Land des siegreichen Sozialismus keine Fürsten gab, fühlte sich Amir Bekhanovitsch vollständig ein solcher sein — viele Arbeiter waren in seiner vollen Macht. Er war ernst, stolz, rachsüchtig.Er war, allerdings, nicht jung, aber hat sich gut erhalten, die Fabrikarbeiterinnen fanden ihn schön. Und er sah Anna, als das Wasser von ihr floβ und verliebte sich in sie.
Er verliebte sich so stark, dass er seinen Stolz zeitweilig verbarg, er begann zu umwerben, Geschenke zu geben. Einmal hat er einen Schal geschenkt, ein anderes Mal — Bonbons, die Annushka ihrer Tochter ins Dorf brachte. Sie fragte sich, ob sie die Geschenke nehmen kann, und auf der anderen Seite, hat er nichts besonderes geschenkt…
Und Amir hat sich noch mehr verliebt. Er hielt Anna im Hof auf ​​und sagte:
— Du gefällst mir. Ich möchte dich heiraten!
Sie war verwirrt und antwortete:
— Das kann ich nicht, ich habe einen Bräutigam.
— Was? Ich habe mich schon erkundigt: dein Mann wurde vermisst. Er ist umgekommen, er kommt nicht zurück.
— So muss es sein. Und ich habe ein Gelübde dem Gott gegeben. Er ist mein Verlobter bis zum Ende meiner Tage!
Amir Beghanovitsch sagte ihr nichts, er wurde nur blutrot, wandte sich ab und ging fort. Zum ersten Mal in seinem Leben hat ihm eine Frau abgesagt, aber wann?!! Als er seine Hand und sein Herz anbot! Der Direktor konnte so was nicht verzeihen.
Aber ein paar Tage später, als ob nichts geschehen wäre, kam er wieder und gab einen Laib Brot:
— Nimm für die Tochter.
Die Zeit war hungrig, für sich selbst würde Anna darauf verzichten, aber wegen der Tochter konnte sie nicht. Sie wusste nicht, dass nun jeder ihr Schritt unter besonderer Kontrolle war, dass ihr Schicksal an einem Haar hing.
Dann, eines Tages fuhr sie ins Dorf, um zu helfen, Kartoffeln zu lesen.Sie war sehr müde. Sie dachte: Ich fahre am Morgen mit dem Zug, ich schaffe es! Aber er hielt sich auf, und Anna verspätete sich zur Arbeit um 15 Minuten.
Und es war eine Kriegszeit.Die Wache hielt sie auf und verhörte sie. Und da erinnerte sich jemand beiläufig daran, dass sie einen Laib von dem Fabrikgelände herausgetragen hatte: sie war nicht nur Saboteur, sondern auch Diebin. Und Amir Bekhanovtsich, mit dem Kopf traurig nickend, bestätigte, dass es so war, obwohl er selbst ihr das Brot gegeben hatte.
Fyodor erzählte Anna seinerzeit viel über die am meisten demokratische in der Welt Stalin-Verfassung. Aber in der Wirklichkeit bedeutete die Verfassung der UdSSR zu jener Zeit weniger als geschlossene Beschlüsse, die Todesstrafen wurden von den außergerichtlichen Behörden vorgeschrieben, offizielle Gesetze konnten einfach von den Willen derer missachtet, die das vorher tun könnten, um dann ein Opfer der gleichen Maschine der Repressalien zu werden; die Lüge und der Verrat waren unausgesprochene Tugenden.
Die Besonderheit des sowjetischen Rechtssystems war die Existenz einer Sondersitzung des NKWD ( es hieβ in verschiedenen Jahren auf unterschiedliche Weise, wirkte in einer oder anderer Form von 1922 bis 1953). Es war eine auβergerichtliche Instanz, die die Zuständigkeit hatte, die Strafverfahren über die Anklagen wegen der sozialgefährlichen Verbrechen zu führen und Urteile über die Ergebnisse der Untersuchungen zu fällen.Die Sondersitzung gehörte nicht zu dem Rechtssystem. Die Urteile wurden von der Sondersitzung in einem vereinfachten Verfahren ausgesprochen. Der Prozess und die Verurteilung wurden in Abwesenheit des Angeklagten und ohne einen Anwalt gemacht. Analoge Gremien gab es im Russischen Reich unter Peter I. und Alexander III., aber nur in der Sowjetunion wurde diese Möglichkeit breit verwendet (in der Sprache von Peters Ära “das Urteil laut laut des gesunden Menschenverstands und der Gerechtigkeit auszusprechen» (d.h. ohne die Forderung der Einhaltung des Gesetztes und der gerichtlichen Vorschriften).
Gerade eine solche Sitzung verurteilte Anna für einen Laib Brot, der ihr geschenkt wurde, und für eine Viertelstunde Verspätung zur Arbeit – zu zehn Jahren in einer Strafkolonie, wo sie sollte, das Holz flöβen.

Der Mangel an Freiheit

Wenn man sich überlegt, so war Anna in ihrem Leben nie frei: bald hing sie von den Eltern, bald – von ihrem Mann, dann von seinen Vorgesetzten in der Fabrik ab. Aber so schlimm, wie in der Kolonie, war es ihr noch nie.Die Diebe mochten sie nicht, verhöhnten sie, entnahmen ihr das ohnedies knappe Essen. Im Laufe eines Jahres ist sie mehr als zehn Jahre älter geworden.
Eines Tages, als die Bäume auf dem Fluss geflöβt wurden, ging auf Anya Lyuska zu, die verhaftet wurde, weil sie dieProstitution betrieben hatte und ihre Kunden getötet hatte, um sie zu berauben.
— Nun, Heuchlerin, — sagt sie, es ist Zeit für dich, zu deinem Schöpfer zu gehen.
Und plötzlich stieß sie sie ins Wasser. Gerade in diesem Moment schwam ein großer Balken vorbei, der Annushka beinahe getötet hätte. Und sie erwartete das nicht, und nur ein Gedanke fuhr ihr durch den Kopf: «St. Nikolaus, hilf mir!». Da warf irgendeine Kraft sie ans Ufer hinaus. Niemand verstand, wie es ihr gelang, sich zu retten, aber seit dieser Zeit wurde Lyuska vorsichtig zu Anna: «Hol sie der Kuckuck,diese Njurka, wer weiß, was sie ist!».
Das Gebet war der einzige Annas Trost in der Haft. Sie betete ständig, bat um Hilfe bei der Heiligen Jungfrau, St. Nikolaus. Der Zweifel schmiedete ihre Seele manchmal wie mit einem Eisenreifen zusammen. Die Frau erinnerte sich daran, wie Amir mit zornig funkelnden Augen sagte: «Was ist dein Gott? Wird er dir helfen? Aber ich mache dich reich! Du und deineTochter werden nichts brauchen!” Anna vermisste die Tochter sehr: “Wie geht es Schurotschka? Hatte ich recht, dass ich Amir abgeschlagen hatte? Er meinte doch alles ehrlich.» Aber dann erinnerte sie sich an den Laib Brot, und fünfzehn Minuten, und verstand, dass es nicht umsonst war, sie hat alles richtig gemacht – er liebte sie nicht, fühlte nur eine starke Leidenschaft. Wenn er sie liebte, würde er das tun?
Einmal, als ihre Nachbarinnen, die Diebinnen, das Essen bei ihr gestohlen haben und Annas Kopf in der Nacht vom Hunger schwankte, kam zu ihr in der Nacht St. Nicholas. Er gab ihr einen Kuchen, die Frau aß ihn und fühlte, dass der Hunger vorbei war, sie bekam die Kräfte weiter zu leben. Am nächsten Tag entnahmen die Kriminellen ihr wieder das ganze Essen. «Lassen wir unsere Heuchlerin verhungern, wenn sie im Wasser nicht ertrinkt!» schlug Lyuskas Freundin Julia vor. «Nun, laβ sie,» — antwortete die. Aber Julia beschloβ, ihr Vorhaben bis zum Ende zu bringen. Und einige Tage durcheinander entnahm sie das Essen bei Annushka am Tag, und in der Nacht brachte der Heilige ihr einen Kuchen.
Da bekam Julia Angst, dass Nyurka ohne Essen lebte, aber es schien, dass sie sogar mehr Kräfte bekam.
— Hör zu, Lyuska, sagt sie, wollen wir die Heuchlerin in der Nacht beobachten, kann sie das Essen irgendwo heimlich stehlen?
— Komm, willigte sie ein.
Und sie sehen in der Nacht Anna mit jemandem sprechen, aber es gibt niemanden.
— Nyurka, mit wem plauderst du?- fragte Julia ängstlich.
— Mit dem Heiligen Nikolai, antwortete sie.
Die Frauen bekamen Angst. Sie sagten den Vorgesetzten, dass Nyurka verrückt wurde. Die haben den Arzt gerufen.
Der Arzt, wie es sich herausstelle, war gläubig. Er bedauerte Annushka, schickte sie ins Krankenhaus.Sie verbrachte in der Kolonie ein Jahr statt zehn und dann noch ein Jahr in einer psychiatrischen Klinik. Es war ihr dort nicht schlecht: es war, wie es sich herausstellte, ein Krankenhaus, wo die gläubigen Ärzte die Menschen versteckten, die in einer sozialistische Realität nicht überleben konnten. Wenn es ein echtes Krankenhaus wäre, so würde sie es nicht leicht haben.
Zusammen mit den anderen Patienten sammelte Anna Pilze, Beeren, ohne eine Norm einzuhalten. Sie hatte einen vollen Nervenzusammenbruch. Das Gebet, der Wald, die Abgeschiedenheit gaben ihr wieder ihre Stärke zurück. Und dann geschah es so, dass sie entlassen wurde. Als sie im Dorf ankam, erkannten die Narchbarn sie nicht: Die Schönheit hat sich in eine alte Frau verwandelt.

Zurück in die Stadt

Eine ihrer Schwestern, die im Dorf geblieben war, erlaubte Anna, bei ihr zu leben .
— Sammle die Kräfte, sagt sie.
Jeden Tag ging Anna in den Wald, um Pilze und Beeren zu sammeln. Sie wollte ihrer Schwester und ihrer Familiie irgendwie Dienst leisten, um ihnen zur Last nicht zu fallen. Tagelang ging siedurch den Wald.
Eines Tages hatte sie einen so starken Durst, dass sie dunkle Ringe vor den Augen bekam, es wurde nicht nur im Mund trocken, sondern der Körper selbst wurde nicht so wie er üblich war… Und sie nahm etwas Wasser nicht mit! Nur betete sie: «Herr, gib mir, der groβen Sünderin, nur einenTropfen Wasser!», sie machte noch einen halben hundert Schritte nach vorn, und dort war ein Brunnen… Die Frau stillte den Durt, die Kräfte kamen zu ihr zurück, sie dankte dem Gott und ging weiter.
Bei einer anderen Gelegenheit verließ sie das Haus früh. Das Brot nahm sie nicht mit: sowieso war es nicht genug, laβ die Kinder es essen, und sie ist daran schon gewöhnt. Sie geht durch den Wald, es ist schon Herbst, es gibt keine Beeren und wenig Pilze. Plötzlich, fährt ein Mann mit einem Leiterwagen an ihr vorbei, obwohl so was noch nie war, gewöhnlich begegnete sie niemandem. Dieser blieb stehen und sagte:
— Was, Oma, bist du hungrig, nehme ich an?
Ja, mein Herz! Und sie denkt für sich: «Nun bin ich die Großmutter geworden!»
— Nimm dann, — und gibt einen Laib Weißbrot.
— Gott segne dich! — antwortete Anna. — Wie heißt du denn?
— Nicholai.
Und er ging fort.
Die Frau dankte St. Nicholai für die Hilfe und ging weiter.
Anna wollte ihrer Schwerster immer einen Dienst leisten. Eines Tages, während des Festes der Gottesmutter von Kazan ging sie zum Fluss, um die Wäsche zu spülen, stolperte und brach das Bein. Ob es ein Zufall war, oder sollte sie auch diese Pr, aber Annushka beschuldigte dann sich selbst ihr ganzes Leben, dass sie an einem Festtag arbeiten wollte, und sie erzählte davon ihren Enkelinnen.
Als der Krieg endete, kam Anna in die Stadt zurück, aber sie ging nicht mehr zur Arbeit imWerk: ihre Gesundheit war nicht wohl, und das Bein begann erst gesund zu werden. Sie hat eine Stelle in einer Kantine bekommen. Man gab ihr ein Zimmer in einem Holzhaus, eine Gemeinschaftsküche, alle Bequemlichkeiten waren im Hof. Die Nachbarn waren ein Ehepaar. Die Nachbarin — auch Anna – war eine gute Frau, und ihr Mann Anatoly, wenn er betrunken war, begann seine Frau zu schlagen. Sie versteckte sich oft bei Annushka im Zimmer und dann ergriff er die Axt und rief: «Nyurka! Nyurka! Komm raus! Ich bringe euch beide um! «. Einmal haben die Nachbarn ihn in die Polizei abgegeben, er war einige Zeit ruhig, und dann sah er, dass man ihm in der Tat nichts gemacht hat und er begann von neuem. Und er hat aufgehört Anna in die Küche zu lassen, sie kochte in ihrem Zimmer auf einem Kocher. Shura ist inzwischen aufgewachsen, hat geheiratet.

Freude unter Schmerzen

Nicht alles war in Annas Leben so freudlos.Sie ging in die Kirche sehr gern. Die war die einzige in der Stadt, alt und holzern. Anna kommt zum Dienst, steht vor die Vladimir Ikone der Mutter Gottes auf und so steht sie wie eine Kerze neben ihr bis zum Ende des Dienstes. Der Priester merkte sie, segnete sie im Chor zu singen. Ihre Stimme war wunderbar, sie gefiel allen. Der Erzpriester Nikolai wurde auch ihr geistiger Vater: nach dem Vater Isidore fürchtete sich die Frau lange, sich den Priestern zu nähern, aber schließlich hat sie einen Pastor gefunden, nach welchem sie suchte.
Eines Tages geht Anna zum Tempel am Morgen und in dem Kirchhof sieht sie eine Frau.
— Was ist los? – fragt Annushka sie.
— Ich will die Kirche betreten, aber etwas läβt mich nicht, antwortet sie.
Und es ist zu sehen, das es bricht sie. Der Schweiß brach auf ihrem erröteten Gesicht aus, die Glotzaugen, die Pupillen drehen sich, sie atmete schwer, der ganze Körper zittert und krümmt sich.
«Sie ist beschädigt”, dachte Anna für sich und sagte laut: — Wollen wir beten!
Sie las ein Gebet, bekreuzigte die Kranke, sie beruhigte sich und konnte in den Tempel gehen.
Es verbreitete sich das Gerücht davon, das kirchliche Volk hört gern solche Geschichten und dann begannen alle Annushka zu bitten, für sie zu beten. Sie war bescheiden, solche Aufmerksamkeit gefiel ihr nicht, aber sie verweigerte niemandem, betete für alle, die sie darum baten.
Einmal kommt eine Tante und sagt:
— Bete für meinen toten Mann!
Anna wurde auf etwas in ihr aufmerksam, sie fragte:
— Bist du orthodox?
— Nein, — antwortet sie. — Molokanin.
DieMolokanen — das ist eine rationalistische Sekte, die in Russland in den 60er Jahren des 18. Jahrhunderts erschien. Ihre Lehre nennen sie «die rein geistige Milch»; sie nehmen die orthodoxe Kirchenhierarchie, Mönchtum, Ikonen, Reliquien, Heilige nicht wahr. Im Gegensatz zu den Duchoboren, die Molokanen erkennen die Bibel. Sie betrachten sie als die einzige Quelle der Wahrheit und behandeln sie in ethischer Hinsicht, sie halten sie für die Hauptrichtung im alltäglichen sozialen und privaten Leben.Es gibt keinen Klerus bei den Molokanen, seine Rolle führen die «Ältesten» aus.Der religiöse Kultus besteht aus den Gebeten, Gebetstreffen, Predigten und dem Singen geistlicher Lieder. Offenbar ist das Wort «Molokane» ein Spitzname, den ihnen Orthodoxe gegeben haben. Es gibt verschiedene Theorien über den Ursprung des Namens «Molokane». Laut einer von ihnen Molokane tranken Milch in der Fastenzeit, als das übliche Essen von den orthodoxen Kanons verboten war, und dafür wurden sie Molokanen genannt. Einige verbinden den Namen «Molokane» mit dem Fluβ Molotschnaya im Melitopol Bezirk, wohin die Molokanen verbannt wurden. Es ist auch die Version verbreitet, die mit der Präferenz verbunden ist, Milchprodukte in den Gefängnissen und in der Armee zu essen, da dieses Essen mit Schweinefleisch, den die Molokanen nicht essen, nicht hergestellt werden konnte.Die Molokanen ziehen vor, auf die in der Bibel erwähnte Metapher “der geistigen Milch”zu verweisen. Die Molokanen sind keine Einheit, sondern eine vielseitige religiöse Bewegung mit einer einzigen Wurzel, aber mit den großen Meinungsunterschieden, mit den Unterschieden in Hymnen, der Lehre, in den gehaltenen Festen.
Anna wusste das nicht, natürlich, aber sie verstand, dass diese Frau nicht orthodox war.
— Warum beten sie nicht selbst? – fragte sie.
— Wir glauben, dass nach dem Tod das körperliche und geistige Leben des Menschen aufhört. Das Bewusstsein der menschlichen Unsterblichkeit bekommt der Mensch erst nach der Auferstehung von den Toten, die bei dem zweiten Kommen von Jesus Christus erfolgt, antwortet die Molokanin.
-Du sprichst sehr klug, aber etwas stimmt nicht bei dir, — seufzte Anna. — Es scheint, dass man beten muss und nicht muss … ich werde beten, was zu tun ist…
Es war Inzwischen Zeit für Alexandra, zu gebären. Sie begann bei ihrer Mutter um Rat zu bitten, wie das Kind zu nennen.»Ich habe schon verstanden, dass du sagst, den Sohn Nicholai zu nennen. Und wenn es die Tochter ist? »
Es war gerade das Ende des Frühlings. Anna dachte einen Moment nach und sagte:
— Elena.
— Warum?- wunderte sich Shura. –Es gab bei uns noch nie eine Elena…
-Bald ist Ihr Feiertag. 3. Juni ist das Andenken an den Kaiser Konstantin und die Kaiserin Helen.
Und die Enkelin war gerade an diesem Tag geboren. Die Großmutter freute sich, dankte dem Gott.. Und je älter Lena wurde, desto mehr liebten sie einander.

Vision

— Warum hast du aufgehört zu erzählen? schmollte Lena unzufrieden.
— Und was ist zu erzählen, alles ist schon erzählt, lächelte Anna. — Jetzt sitze ich hier bei dir, danke dem Gott, dass ich in meinem Leben so eine Freude wie dich habe. Nur ist es fürchterlich, auf der Erde zu jemandem eine Zuneigung zu fassen…
— Oma, und Mama sagte, dass wir in die Ukraine fahren… Ist es weit?
— Wieso! — schnappte Anna nach Luft. — Und sie hat mir nichts gesagt!
— Sie sagt, dass sie und Papa entlassen wurden und es keine andere Arbeit hier gibt. Und es gibt dieVerwandten dort, die sie in ein Gebiet gerufen haben… Lena runzelte die Stirn angespannt und erinnerte sich:- in Donetsker Gebiet. Und ist es dort gut?
— Es ist überall gut, wenn man mit Gott ist, sagte Anna traurig.

***

So blieb Anna in der Stadt allein. Und nach einer Weile starb der geistige Vater — Erzpriester Nikolai. Die Seele grämte sich über den Verlust. Da verließ sie die Arbeit: man begann über sie in der Kantine zu spotten und zu lachen, weil sie gläubig war. Die anti-kirchlichen Repressalien, von N.S. Chruschtschow in den Jahren 1958-1964 initiiert, wurden durch die Stärkung der atheistischen Propaganda begleitet. Im groβen und ganzen haben sich ihre Formen und Verfahren in einer erweichten Art bis zum Ende der 1980er Jahre erhalten. Sie trug sowohl einen ideologischen, als auch einen formalen, und noch öfter –einen primitiven Charakter. Es wurde die Ausbildung in dem wissenschaftlichen Atheismus in der Hochschulbildung eingeführt, es wurden die Kurse für zukünftige Lektoren des wissenschaftlichen Atheismuses geschaffen. Es wurden Beschlüsse der Partei -und Komsomolkonferenzen und Tagungen gefaβt. In den Veröffentlichungen der Partei — und Komsomol zeitungen kann man die wichtigsten Trends der atheistischen Propaganda des damaligen Zeitraums verfolgen. Das sind die Forderungen nach einer individuellen «Arbeit» mit den Gläubigen, aber in der Wirklichkeit – nach einem harten psychologischen und administrativen Druck, in dessen Ergebnis viele Menschen ihre Ansichten “abgelenkt” haben.
Das sind die Darstellungen der Gläubigen als die Menschen der»zweiten Klasse», die Aussagen, dass eine gläubige Mutter ihren Kindern einen unverbesserlichen Schaden verursacht, den Hass und das Missverständnis zwischen Eltern und Kindern auf der Grundlage der Einstellung zur Religion entfacht. Das ist auch eine aktive Äuβerung der verschiedenen Arten von Negativität in der Tätigkeit der religiösen Organisationen, mit dem Schwerpunkt auf dem unwürdigen Verhalten der Priester und der Gemeindemitglieder, und mehr noch — auf ihrem Interesse, das «große Geld» dafür zu bekommen, dass sie «nichts tun.»
Es ging auch die Schaffung der Agiotage, wahrscheinlich, um wirklich ungesunde mystische Erscheinungen des religiösen Lebens einiger psychisch kranken Menschen.Es wurden auch Anforderungen gestellt, alles für die Isolierung der Kinder unter 18 Jahren von der Religion zu machen. Es wurde versucht, sein»kommunistischer» «antireligiöser» Kultus zu schaffen, der in der Tat die Wiederbelebung der primitiven Formen der heidnischen Religion war.
Es wurde gesagt, dass die Gewissensfreiheit nicht Selbstzweck war, sie war in der Tat nur eine Übergangsphase in dem Prozess der vollständigen Beseitigung der religiösen Vorurteile. Die Vorstellungen der Verfechter von der Religion waren oft oberflächlich, hatten eine grobe Verzerrung. Doch die Gläubigen hatten kein Recht auf die Kontroverse als eine Antwort, auch die Freiheit der kirchlichen Predigt war streng begrenzt. Nach dem Rücktritt von Chruschtschow sank die Glut der atheistischen Propaganda, aber sie spielte auch weiter eine bedeutende Rolle in der ideologischen Politik des Staates bis in die frühen 1990er Jahre.
Diese anti-religiösen Verfolgungen betrafen sogar die halbanalphabetische Großmutter, die die Arbeit verlassen muβte, sobald ihr die Rente bestimmt wurde.
Die Rente betrug fünfundvierzig neuer Rubel — ein wenig, natürlich, aber Anna trauerte nicht. Sie gab nicht viel aus. Sie versuchte, Geld zu sparen, um ihrerTochter, die mit ihrem Mann für ein Haus sparte, etwas Geld zu senden. In der Fastenzeit aβ sie nur Brot mit Wasser.
Die Einsamkeit und die Unterernährung führten oft zur Mutlosigkeit. EinesTages betete Anna unter Tränen, klagend, dass sie allein und nutzlos war.
Und dann sieht sie, wie die Wände ihres kleinen Zimmers aufgehen. Das Zimmer scheint größer zu werden. Schönes Licht beleuchtet alles im Innern. Und die Mutter Gottes, St. Nikolaus, St. Katharina, Barbara und Paraskeva treten ein. Anna verstand sofort wer zu ihr kam,obwohl sie sich nicht vorgestellt haben.
Die Frau hört eine wunderschöne Stimme:
— Warum weinst du, die Dienerin Gottes Anna? Bist du denn allein? Möchtest du mit uns gehen? Und dein Körper wird abgewaschen, gekleidet, morgens wird er bereit für die Beerdigung sein.
Und in ihrem Kopf blitzte der Gedanke: «Was ist mit Schura?”. Dann verschwand alles. Anna erinnerte sich an diese Vision lange.Aber seitdem verlor sie den Mut nie.

In der Ukraine

Einmal betete Anna in derNacht und bat unter Tränen: «Herr, vergib mir, einer großen Sünderin!».Und sie hört eine leise ruhige männliche Stimme: «Was redest du da! Was für eine Sünderin bist du?: Du lebst allein, fromm, still. Ich sehe alles, weiß alles über jeden! «. Anna erschrak und sagte:
— Nein, ich sündige, allein Gott ist ohne Sünde!
Und die Stimme verschwand.
Anna dachte, dass ihre Visionen sie entkräften, dass sie nicht mehr allein bleiben kannn. Sie beschloβ, zu ihrer Tochter in die Ukraine zu fahren. Und kaum sie so gedacht hat, bekommt sie von ihr einen Brief, sie soll zur Taufe von Lyudochka und überhaupt zu Gast kommen; sie haben einander eine lange Zeit nicht gesehen und die Tochter vermisste sie. So ist es zusammengefallen.Sie kam an.
In der Ukraine hatte es Alexandra auch nicht leicht, es war nicht so, wie sie sich das vorgestellt hatte, als sie beschloβ, aus Russland dorthin zu fahren. Zuerst kauften sie ein kleines Haus – man nannte es eine Hütte.Es war genug Platz für drei Personen, um zu leben, aber die Familie wurde gröβer: eine weitere Tochter wurde geboren — Ljudmila. Und dann brachte der Ehemann von Alexandra Alexey seine Mutter Elizabeth. Die Sowjetwirtschaft in Wladimirer Gebiet, wo sie lebte, ist zusammengebrochen, und alle sind aus dem Dorf geflohen. Und die Schwiegertochter brauchte Hilfe: die Enkelin zu pflegen, so fährt sie zu dem Sohn nicht als eine arme Familienangehörige.
Es war unmöglich, sich zu fünft in einer Lehmhütte umzudrehen, aber da erschien die Möglichkeit, ein großes Backstein-Haus nach einem Brand kostengünstig zu kaufen. Es war schrecklich, lauter Wände. Aber Alexey hatte keine Angst vor der Arbeit, er hat es wie ein Spielzeug ausgestattet.
Alles gefiel ihr hier. Das Haus hat viele Zimmer, einen großen Garten, das Obst, das sie nie gegessen hat. Walnüsse liegen unter den Füßen umher, es gibt auch Aprikosen. Man stellte Anna das Zimmer mit ihrer Heiratsvermittlerin Elizabeth zur Verfügung.
Annushka gefiel zuerst alles. Sie war froh, dass sie viel Zeit mit ihren Enkelinnen verbringen konnte. Lyudochka hörte ihre Lieder gern, und Elena — ihre Märchen; gemeinsam zeichneten sie Paradiesvögel in den Gärten, sangen. Sie schaukelten im Garten, sammelten Walnüsse, und dann knackten sie sie zusammen.
Aber etwas fehlte nicht nur Anna, sondern auch Alexandra. Und es fehlten ihr solche seltsame Dinge, die, wie es schien, sie nicht brauchte — Birkenbäume vor dem Fenster, starke Fröste.
Annushka vermiβte auch denTempel des Heiligen Nikolaus-Wundertäters in ihrer Heimat. Und in der Tat war der Tempel hier sehr weit: sie ist nur einmal mit der Mutter ihres Schwiegersohnes dorthin gegangen. Anna hat sich den Weg nicht gemerkt und das zweite Mal ging Elisabeth nicht. Und sie wurde überhaupt eifersüchtig: «Warum brauchen wir zwei Großmütter im Haus? Schaffe ich denn nicht? Ich koche und sorge für die Kinder.»Schura bemühte sich, sie zu überzeugen, dass es zu zweit leichter war, aber es war erfolglos. Die Schwiegermutter zog die Brauen zusammen und wurde immer düster. Sie begann sogar über die Kinder zu murren, als sie sie baten, ein Märchen zu erzählen: «Laβ Oma Nyura Märchen erzählen, sie versteht es gut, mit der Zunge zu plaudern und nicht die Dinge zu tun!».
Anna hörte, hörte und beschloβ, nach Hause zurückzukehren. Schließlich hat sie ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft in der Stadt, und Lisa hat im Dorf niemand mehr, laβ sie mit den Kindern leben.
Und Elizabeth begann nach ihrer Abreise die Nostalgie zu quälen: «Wie werde ich hier in einem fremden Land sterben? Mein Bruder Kostya blieb in seinem Heimatdorf, fahre ich lieber auch nach Hause!” Sie packte ein und fuhr fort.
Alexey fragte sich: «Wie ist es? Unsere Mütter sind weit von hier, sie sind schon alt und wir sind in einer anderen Republik. Sie können plötzlich krank werden, und wir werden nicht in der Lage sein, zu kommen. »
Er beriet sich mit Alexandra, sie wollte schon seit langem nach Russland zurückkommen. Nur hatte sie Angst, das ihrem Mann zu sagen: er hat so viel Kraft in das Haus bereits hineingelegt, er hat es nach dem Brand ausgebaut, und fing an, eine Sommerküche zu bauen, hat auch Trauben gepflanzt. Das Haus tut ihr leid, aber die Mütter tun ihnen noch mehr leid.
Und sie fuhren weg von dem ukrainischen Artemovsk in die alte russischen Stadt Murom, näher zum Dorf, wo Elizabeth lebte, um jedes Wochenende zu ihr fahren und helfen zu können. Nur die Wohnstätte war hier viel teuer: für das Geld, das sie durch den Verkauf des Hauses in der Ukraine erlöst hatten, konnten sie hier nur die Hälfte des Hauses kaufen. Aber Alexey hat es ausgebaut, die Küche hat er wärmer gemacht, es wurde mehr Platz.
Anna besuchte oft Murom, und da ist auch Lena aufgewachsen und sie kam selbst zu der Großmutter für kurze Zeit: Ist es denn möglich bei einem solchen Nachbarn wie Onkel Tolja lange zu Gast zu bleiben?

Die Geschichten der Groβmutter

Anna kommt zu Besuch nach Murom und zu Hause ist nur Lena: die Eltern arbeiten, Lyudotschka ist im Garten. Niemand stört sie, sie haben Zeit, über alles in der Welt zu reden. Lena hörte gern “ die Märchen” ihrer Groβmutter, sie dachte damals nicht, dass dies gar keine Märchen waren … und die Großmutter erzählte ihr alles nach,was sie sich aus der Bibel erinnerte, aus dem Leben der Heiligen.
-Der Herr liebt uns so, dass er selbst ein Mensch wurde, sagte Anna nachdenklich.
— Wie ist das? fragte Lena neugierig.
— Wie? Es ist nicht nur mir, sondern auch einem gebildeten Menschen unmöglich, wie ich glaube, zu erklären, antwortete ihr die Großmutter nachdenklich. — Also, das ist das Geheimnis … Aber für uns ist noch wichtiger das zu verstehen, dass Gott uns so liebt, dass wir nie allein sind. Er sieht immer alles, was wir tun!
— Und wie ich Ludas Bonbons gestern gegessen habe und meiner Mutter sagte, dass sie selbst sie gegessen hatte? runzelte das Mädchen die Stirn.
— Ja, lächelte die Groβmutter.
— Das ist schlecht, seufzte Lena
— Warum?
— Da es sich herausstellt, kann man nichts Schlechtes tun! Es ist eine Schande vor dem Gott!
— Dann ist es gut! — lachte Anna.
— Was?
-Du schämst dich.
Dann, viele Jahre später, wunderte sich Elena, die orthodoxen Bücher lesend, wie Oma mit einfachen und unkomplizierten Worten ihr alles erklären konnte, wie es in ihnen geschrieben wurde. Sie selbst konnte sich nicht einmal an die Formulierungen der Groβmutter erinnern, aber das Wesen war so: die HeiligeSchrift sagt: «Groß ist das Geheimnis der Gottseligkeit: der Gott erscheint im Fleisch».Der Gott hat die ganze Welt sehr vernünftig aufgebaut, jedes Geschöpf bekommt einen sochen Anteil des Glücks, den es fassen kann. Aber es bekommt nur in dem Fall, wenn es nach den Gottes Gesetzen lebt. Und es ist unvernünftig, sich darüber zu empören: schließlich empört uns nicht, dass das Feuer verbrennt uns, wenn wir die Hand ins Feuer stecken und wenn wir aus einer Höhe springen, brechen wir unsere Knochen. Und ebenso selbstverständlich ist, dass der Mensch, der nicht nach Gottes Geboten lebt, nicht glücklich sein kann. Er jagt den Gespenstern nach und bekommt die zerstört Seele und ewige Qualen.
Der Mensch war geschaffen als ein Wesen mit dem Verstand, dem freien Willen, der den Tod und Leiden nicht kennt. In der Natur herrschte das Wohlergehen,weil das Glück der ganzen Natur, der Flora und der Fauna davon abhing, ob der Mensch nach den vom Gott gegebenen Gesetzten lebt. Der Mensch ist allein von der ganzen Natur mit dem Verstand, Wahlfreiheit und einer unsterblichen Seele versehen, und Tiere und Pflanzen neigten sich vor dem Menschen, sahen in ihm ihren König: von seiner Auswahl hing ihr Wohlbefinden ab. Der Gott hat den ersten Menschen Adam und Eva nur ein Gebot gegeben, dass sie die Früchte vom Baum der Erkenntnis von dem Guten und dem Bösen nicht essen sollen. Und er hat auch erklärt, warum man nicht darf: «Wenn ihr sie kostet, dann sterbt ihr durch den Tod.» Aber der Mensch hat dieses Gebot nicht erfüllt. Auβer den Menschen im Universum gibt es noch eine andere Art von Wesen, die die Vernunft, den freien Willen haben. Das sind die Engel, deren Natur anders als bei dem Menschen ist; sie sind unsterblich und einfach: einmal die Wahl machend, tun sie sie für immer. Einer der Engel, Luzifer, wollte dem Gott gleich sein, er rebellierte gegen ihn und zog einen Teil der Engel mit sich fort. Lucifer wurde nicht dem Gott gleich, er fiel aus dem Himmel, seine Handlanger mit sich ziehend, und verwandelte sich in den Satan — den bösen Geist, zu ewiger Qual verurteilt, und seine Handlanger wurden zu den ihm gleichen bösen Geistern — Dämonen, die auch verdammt waren, ewig zu leiden. Als der Mensch erschaffen wurde, wollte der Satan nicht, dass jemand die Vorteile benutzte, die er verloren hatte. Er erschien vor Eva in der Form einer Schlange und versuchte sie, sagend, dass sie und Adam , wenn sie eine Frucht essen, nicht sterben, sondern dem Gott gleich sein werden. Und Eva und Adam wurden dem Satan in ihrem Wunsch ähnlich, dem Schöpfer gleich zu werden. Sie haben das einzige ihnen vom Gott gegebene Gebot gebrochen, sie haben die Frucht gegessen.
Die Menschen wurden dem Gott nicht gleich. Sie haben die Krankheit, das Leid und den Tod erkannt. Die Natur veränderte sich auch. Der Mensch verwandelte sich aus ihrem Zaren in ihren Feind, weil sie durch seine Schuld litt. Adam und Eva hatten sich vor den Tieren, die zu den Raubtieren geworden waren, zu verbergen. Adam hatte nun im Schweiβe seines Angesichts die Nahrung zu gewinnen, Eva hatte in den Geburtswehen die Kinder zu gebären. Allerdings,als der Gott die Menschen aus dem Paradies trieb, sagte der Gott zu ihnen, dass “ der Same der Frau den Kopf der Schlange verwischt, d. h. Er hat das Versprechen der kommenden Erlösung gegeben.
Der Gott hat nicht sofort sein Versprechen erfüllt: für die Menschen sind Jahrtausende der hoffnungslosen Leiden gekommen.Die Menschen lebten damals eine lange Zeit, die Geburtenrate war hoch. Nach und nach haben die Nachkommen von Adam und Eva die ganze Erde bewohnt. Aber in beliebiger Ecke der Welt, wo der Mensch lebte, blieb er der Sünde der Stammeltern beteiligt, er ertrug Leiden , Krankheiten und denTod. Die Hoffnung auf den Retter, der ein glückliches Leben schenkte, erlöschte immer mehr. Die Sünde hat für den Meschen die Gelegenheit für die Gemeinschaft mit dem Gott geschlossen. Wenn Adam und Eva die Erfahrung der direkten Kommunikation mit dem Gott hatten, so öffnete er sich ihren Nachkommen als ein harter Richter. Die Geschichten von Adam und Eva über den Gott wurden von Generation zu Generation überliefert, jeder neue Erzähler fügte etwas von sich selbst hinzu.Die Menschen besiedelten das Antlitz der Erde, es erschienen die Nationen. Jede von ihnen hatte ihre eigene Religion, d.h. ihre eigene Lehre vom Gott. Aber die Wahrheit konnte nur eine von vielen Religionen sein, denn es ist nur ein Gott ,EIn, einheitlich in der Heiligen Dreifaltigkeit. Der Gott hat für die Rolle des Trägers dieser einzig wahren Religion das jüdische Volk gewählt.
Durch den Propheten Mose gab der Gott Seinem auserwählten Volk die Zehn Gebote, die die niederen Instinkte abschlugen, den Menschen zu einem rechtschaffenen Leben aufriefen. Es ist nicht verwunderlich, dass der Messias der Mensch ist, der von dem Fluch der Sünde und des Todes die ganze Menschheit befreien wird, musste aus dem jüdischen Volke kommen. Aber konnte ein Mensch als Erlöser von der Sünde sein, weil er auch der Sünde unterworfen war? Deshalb sollte der Messias ein neuer Adam, ein neuer Mensch werden, der in allem auβer der Sünde uns gleich war. Alles war in diesem neuen Adam — Christus (Christus bedeutet der Erlöser) außergewöhnlich. Ungewöhnlich war seine Geburt, denn er, der einzige von den Menschen, ist gegen alle Gesetze der Natur von einer Jungfrau geboren. Aber die scheinbare Unkllarheit hört auf, als solche für uns zu sein, wenn wir erfahren, dass Christus nicht nur ein Mensch war: zwei Naturen – die göttliche und die menschliche Natur sind in Ihm verbunden. Das Gottes Wort — die Zweite göttliche Persönlichkeit der Heiligen Dreifaltigkeit kam in die Jungfrau Maria und schuf durch den Heiligen Geist in Ihr einen neuen, von der Sünde freien Menschen, sich mit Ihm vereinigt. Der Gott hat nicht mit einerm bestimmten Menschen vereinigt; Er vereinigte sich in Christus mit der ganzen menschlichen Natur, mit der ganzen Menschheit.
Mit zwei Naturen – der göttlichen und der menschlichen Natur, hat er eine göttliche Persönlichkeit. Die Jungfrau Maria war vom Gott für Ihre bevorstehende Hohe Mission im voraus ausgewählt. Mit drei Jahren war sie in den Tempel herbeigeführt, wo die Jungfrau Maria bis zum Alter von vierzehn Jahren blieb; dann sollten die Eltern laut den Gesetzen der damaligen Zeit sie abholen, oder sie sollte jemanden heiraten… Ihre Eltern starben zu dieser Zeit und sie war mit Josef verlobt, ihrem älteren Verwandten, der einberufen war, ihre Jungfräulichkeit einzuhalten. Die Kirche ist der festen Überzeugung, dass die Jungfrau Maria ihre Jungfräulichkeit vor Weihnachten und in den Weihnachten und nach den Weihnachten erhalten hat, deshalb nennt man sie die Ewige Jungfrau-“ Prisnodewa “ (prisno bedeutet in der slawischen Sprache — “immer”). Außerdem nennt die Kirche die Jungfrau Maria die Mutter Gottes.
Der Erretter begann mit dreißig Jahren zu predigen. Was er lehrte, war anders als alles, was man vorher in der Welt gelehrt hatte. In der harten Welt, in welcher jeder nur an sich selbst denkt, wo es fast keinen Platz für Liebe, Treue und Vergebung gibt, sagt Christus: «Liebt eure Feinde, segnet die, die euch verfluchen.» Der Gott lehrt uns, unseren Nächsten wie uns selbst und den Gott mehr als sich selbst lieben. Und wie schwierig es ist, wenn wir daran denken, dass der Nächste , laut dem Wort von Christus, jeder Mensch ist, der uns auf dem Weg des Lebens begegnet. Jesus liebt alle Menschen, ohne jeden rechtschaffenen oder sündhaften abzustoβen. Er sagte oft in den Tagen seines irdischen Lebens, damit niemand an der Möglichkeit seiner Rettung zweifelte, dass Er gekommen ist, um nicht die Gerechten, sondern die Sünder zur Beichte zu rufen. Jeder Mensch, unabhängig davon, was für ein gerechtes Leben, unserer Meinung nach, er geführt hat, bleibt vor dem Gott ein Sünder, weil die menschliche Natur ist so, dass er nich leben kann, ohne zu sündigen. Um jeden von uns zu verstehen und zu verzeihen, ist es eine Unmenge der Liebe und der Barmherzigkeit des Gottes nötig. Und Christus hat den Menschen diese Unmenge der Liebe eröffnet. Er heilte die Kranken, belebte dieToten, tröstete die Büßer gnädig, beschuldigte streng jene, die in ihrer Sünde beharrten. Christus liebte alle, und gerade diese seine Liebe war der Grund dafür, dass viele Leute Ihn haβten, die keine Liebe in ihren Seelen hatten. Für seine Liebe zu den Menschen wurde Christus am Kreuz gekreuzigt. Er wurde von den römischen Soldaten gekreuzigt. Aber die Todesstrafe von Christus wurde von denen verlangt, die auf ihn warten muβten — die jüdischen Priester und das Volk, das nur eine Woche vor der Kreuzigung Ihm «Hosanna!» gerufen hatte. So ist jeder irdische Ruhm: diejenigen, die dir «Hosanna» rufen, können weniger als eine Woche später mit der gleichen Begeisterung schreien: «Kreuzige ihn!» Es gibt Menschen, die, von außen betrachtet, richtig sind, sehr schön über alles reden können. Und über den Gott, und die Liebe und den Glauben. Aber ihre Handlungen sind recht unterschiedlich. Wie es in den Psalmen geschrieben ist “ihre angenehmen Worte sind mehr als Öl, aber deren Wesen sind Pfeile.» Sie schämen sich nicht. Sie haben den Herren gekreuzigt. Elena war auch beängstigend,als sie erwachsen wurde, wenn sie sich respektable, sehr solide und scheinbar freundliche Menschen vorstellte, die den Gott kreuzigen .
Ursprünglich war der Mensch vom Gott zur Unsterblichkeit und zum Glück bestimmt. Aber durch Adam und Eva kam die Sünde in die Welt, und mit der Sünde – der Tod. (Der Tod ist die Trennung von Körper und Seele). Adam und Eva entfernten durch ihren Fall die Menschheit vom Gott, und die Seelen aller Menschen gingen nach dem Tod in die Hölle. Auch die Gerechten konnten sich nicht freuen und jubeln über den Gott zu der Zeit, wenn auch sie das Leiden in der Hölle vermieden hatten.
Kann es einen Ort geben, der vom Gott entfernt ist, wenn der Gott allgegenwärtig ist? Es geht darum, dass nicht der Ort vom Gott entfernt ist, sondern die sich dort befindenden Menschen nicht in der Lage sind, die Gegenwart des Gottes zu fühlen, deshalb leiden und quälen sie sich. Deshalb erzählen alle alten Religionen von dem Leben nach dem Tod als von etwas schrecklichem und hoffnungslosem. Doch je näher sich der Zeitpunkt des Kommens von Jesus Christus näherte, der die Menschheit von dem Fluch der Sünde und des Todes befreit hatte, desto weniger Hoffnungslosigkeit klang in den Worten der biblischen Autoren vom Alten Testament, wenn sie darüber sprachen, was uns am Ende des irdischen Lebens erwartete. So hieβ es in dem Buch der Solomons Weisheit: «Die Seelen der Gerechten sind in der Hand des Gottes und die Qual wird sie nicht berühren.»
Christus stieg nach der Kreuzigung und dem Tod am Kreuz in die Hölle hinab. Aber die Hölle konnte ihn nicht fassen. Der Erretter, die Hölle verlassend, hat nicht nur alle Gerechten des Alten Testaments hinausgeführt, sondern auch allen, die ihm folgen werden, die Möglichkeit gegeben, der Hölle und dem Tod zu entkommen.
Der Gott ist die höchste Gerechtigkeit. Und indem wir etwas den anderen tun, tun wir das uns selbst. Wenn wir jemanden beleidigt haben, müssen wir auch auf eine Beleidigung warten; wenn wir jemanden getötet haben, müssen wir bereit sein, dass unser Leben auch gewaltsam beenden wird. Und es ist gut für den Menschen, wenn die Vergeltung für die Sünden in den Tagen des irdischen Lebens erfolgt, weil er,mit seinen Sünden in die Ewigkeit eingehend, viel schlimmer leiden wird, als wenn er dafür auf der Erde antwortete.
Anna erzählte der Enkelin über die Märtyrer. In den ersten Jahrhunderten des Christentums wurden die Christen verjagt, insbesondere dafür, dass sie nicht wollten, sich vor den Idolen zu verbeugen, vor denen sich die Außenwelt verbeugte. Es war eine Zeit der religiösen Dekadenz, niemand glaubte im Römischen Imperium, dass Jupiter und Venus Götter waren. Aber der religiöse Niedergang ist mit dem Niedergang der Macht des Kaisers zusammengefallen. Das Römische Reich hat eine Menge von Staaten, Nationen und Religionen gesammelt. Sie brauchten eine einheitliche Grundlage. Als solche Grundlage wurde der Kult der Vergöttlichung des Kaisers: jeder Bürger des Imperiums war frei, die Religion zu bekennen, welche er wollte, aber einmal im Jahr sollte er sich vor dem Bild des Kaisers verbeugen und eine Prise von Weihrauch vor der Statuen von Jupiter, Apollo, oder sogar noch eines Idols verbrennen. Diese Aktion ist im Laufe der Zeit zu einem mechanischen Brauch geworden, aber die Ghristen verzichteten, das auszuführen, weil sie nicht wollten, sich vor den Götzen beugen. Sie erinnerten sich an die Worte der Heiligen Schrift: «Beuge sich vor Dem Herren, deinem Gott und diene Ihm Einem.» Die Christen erkannten den Kaiser als eine Macht an und waren ordentliche Bürger, aber sie weigerten sich, ihn als den Gott zu akzeptieren. Das und auch der Verzicht der Christen, Christus in das römische Pantheon einzuschlieβen, wo die Römer alle Gottheiten der eroberten Völker gesammelt hatten, verursachte die Anklage gegen sie in dem Atheismus und politischer Unzuverlässigkeit. Es begannen Verfolgerungen gegen die Christen, die mehrere Jahrhunderte dauerten. Es blieb ihnen, sich über die Worte von Christus zu trösten: «In der Welt werdet ihr traurig sein, aber wagt, denn ich habe die Welt überwunden.» Nach einigen Jahrhunderten triumphierte das Christentum, der Kaiser Konstantin erklärte es die Staatsreligion. Aber wie viele Hunderttausende von Christen sind als Folge der Verfolgungen in diesen Jahrhunderten gestorben!
Lena gefiel besonders von dem, was ihre Großmutter erzählt hatte, die Geschichte über 40 Märtyrer von Sebaste, dass einer von ihnen, aus Angst vor der Folter, abschwur, und ein römischer Soldat, der bevor kein Christ war, ihn ersetzte …
— Wieso? — staunte sie dann. — Wie kann sich alles in einer Minute bei einem Menschen ändern?
— Es kann sein, mein liebes Mädchen, der Herr kann uns alles geben: den Mut und die Kraft und die Stärke und die Liebe und den Glauben und das Glück…
— Dann lass Ihn mir besser die Liebe und das Glück geben! — sagte das Mädchen sofort.
Anna lachte:
— Ich, jedenfalls, wünsche dir das aufrichtig! Der St. Nicholai der Wundertäter half mir immer. Bete zu ihm, und er wird dich nicht verlassen. Ich habe ihn um deine glückliche Geburt gebeten.
Es war so, dass sie bis zur Dunkelheit so sprachen, sie schalten sogar das Licht nicht ein. Sie wurden nur von Lenas Eltern, mit Lyuda nach Hause zurückgekommen, unterbrochen: «Warum sitzt ihr in der Dunkelheit?»
— So ist es uns besser!
Alexandra begann zu schwimpfen:
— Wieder machst du die Hausaufgaben nicht, du hörst nur die Geschichten! Und du, Mutter, bist selbst Analphabeten und störst Lena zu lernen!
Anna widersprach nicht, sie fuhr nach Hause fort. Und die Enkelin wartete mit Ungeduld auf die Groβmutter, um wieder mit angehaltenem Atem ihre Geschichten zu hören.

Niurka Burda

Alexandra hatte Kummer: ihr Mann ist gebummelt.Wie man sagt: wird das Haar grau, so stöβt der Teufel in die Rippe. Und sie hat früher nicht geglaubt, dass so etwas ihr passieren könnte…
Sie lief zu ihrer Mutter:
— Mama, was soll ich tun?
Und was kann Anna sagen? Versteht sie denn die Männer? Ihre Familienerfahrung beträgt nur ein paar Jahre, und überdies ist sie von ihrem Mann weggelaufen…
In der Stadt Murom lebten die Cousinen von Alexey. Sie liebten ihn sehr, weil er immer hilfsbereit war, er tat sofort alles, worum sie ihn baten. Seine Hände waren aus»Gold”. Er half allen, vor allem der älteren Cousine Nyura. Sie brachte ihm oft von der Mutter aus dem Dorf die Geschenke. Die Leute mochten Nyura nicht, weil sie die Zauberei betrieb.Sie kam nicht wegen des guten Lebens dazu: der Mann hatte sie mit einer kleinen Tochter verlassen, sie wollte an ihm Rache nehmen, lernen,die «schwarzen Dinge» tun, aber die haben sie stark herangezogen: es ist leicht aufzuhören, etwas gutes zu machen,aber versuchen Sie, die schlechten Dinge loszuwerden! Die Rechtfertigungen kann jeder für sich finden, aber der Sinn ist nicht in ihnen, sondern darin, dass man mit den schlechten Dingen, ohne die das Leben nicht zu denken ist, aufhören muss. Nur Alexeys Cousine hatte nicht vor, die Hexerei aufzugeben.Man nannte sie im Dorf Njurka Burda — nicht wegen einer Modezeitschrift,(sie kam in einen solchen Krähwinkel nicht hin), sondern wegen ihrer trüben Angelegenheiten. Nur Aljoscha allein, wie ein Narr, nannte sie Anetschka und dann verliebte sich in sie, obwohl sie seine Cousine und viel älter als er war.
Und Nyurka war so frech, dass sie beschloβ, sich mit Schura zu befreunden. Sie begann sie ihre Magie zu lehren. Alexandra war krank damals, was auch nicht ohne ihre Hilfe sein konnte, da begann ihr ihre ungerufene Freundin zu erklären, wie man sich waschen und das Wasser dem Nachbarn in den Gemüsegarten ausschütten, was für Worte sagen soll..
Aber Schura tat so etwas nicht, bekam Angst und erzählte alles ihrer Mutter. Anna besprenkelte alles mit dem Weihwasser, führte die Tochter in den Tempel. Es wurde ihr besser, sie wurde auch so unerwartet gesund, wie sie erkrankte. Aber die Katze, die Njurka Burda streichelte, starb.
Aber Alexey sieht nichts, läuft die ganze Zeit zu seiner geliebten Anetschka.Hat sie vielleicht ihn verhext? Er hörte auf zu übernachten. Die Frau war sehr eifersüchtig. Einmal beschloβ sie nachzuspüren, wo er die Nacht verbringt; sie ging allein in der Nacht, und wurde von einem Banditen angegriffen. Schura erschrak sehr, sie rief: «Herr! Laβ meine Kinder als die Waisen nicht! Hilfe! «. Vielleicht erschreckten ihre Schreie den Angreifer, oder noch etwas, aber die Frau wurde los und lief weg.
Dann fühlte sich Alexey beschämt, aber ohne seine Anya konnte er auch nicht leben. Er hat nichts besseres gefunden, als den Kopf in die Schlinge zu stecken, glücklicherweise, haben die Töchter das bemert und das Unglück verhindert.
Anna sagt ihrem Schwiegersohn und der Tochter:
— Sie sollen sich trauen lassen. Ich habe euch schon längst gesagt, was für eine Familie ohne einen Wiener. Nur der Gott kann in eurer Trauer helfen!

Alexandra

Alexandra ist bereit nach jeder Idee, wie nach dem rettenden Strohhalm zu greifen; sie ist bereit, sich trauen zu lassen, wenn ihr Alexey mit ihr bleibt. Und er ist seiner Schuld bewuβt, der Kerl hat doch das Gewissen. Willst du dich trauen lassen? Meinetwegen, es wird uns nicht schlechter sein, wir sind nicht mehr jung, man wird uns in der Arbeit dafür nicht verfolgen. Anna brachte sie in das Dorf Dedovo zu einem bekannten Priester. Er nahm ihnen die Beichte ab und dann trauete er sie.
Anna riet ihnen, den Psalter zusammen zu lesen. Sie bemühten sich, ihn zu lesen. Nur hatte Schura immer noch Angst, in der Stadt, wo Njurka lebte, zu bleiben. Und ihrem Mann konnte sie bis zum Ende nicht verzeihen, weil alles an die Hexe, an die ihr verursachten Leiden erinnerte. Alexandra geht die Straße entlang, und es scheint ihr, dass der Bandit herausspringt; in jeder entgegenkommenden Frau scheint ihr Nyurka Burda.
Sie überredete ihren Mann, nach Iwanowo zu fahren: dort lebte ihr Cousin mit seiner Familie.Er,als ihr Verwandte, hat ihnen geholfen, sich gut unterbringen und ein Haus kaufen. Anfangs ging alles gut: Alexey reparierte das Haus, baute ein Badehaus. Nur starb Elisabeths Bruder im Dorf und es gab niemanden mehr dort. Alle Häuser hat man in ein nahe gelegenes Sowjetgut transportiert.
Aljoscha hat seine Mutter zu sich genommen. Aber sie gewöhnte sich, in dem Dorf in der Stille allein zu leben; überall war der Wald, und hier ist die Stadt, und die Kinder machen Lärm im Haus.Es wurde ihr langweilig, sie setzte sich ans Fenster und schwieg. Schura wurde reizbar, nachdem sie von dem Banditen angegriffen worden war. Sie konnte das nicht widerstehen: «Na, Mama, es ist Ihnen wieder nicht so?» Und die, als ob sie das erwartete, sagt zu ihrem Sohn: «Bring mich nach Hause fort, deine Frau treibt mich!» Er begann zu protestieren: «Wohin bringe ich dich? Es gibt dein Dorf schon nicht mehr”. «Mein Haus ist noch unversehrt, bring mich zu dem benachbarten Sowjetgut fort, dort werde ich leben!».
Alexey brachte seine Mutter zurück und kam nicht zurück. Er reichte die Scheidung ein: angeblich konnte er nicht verzeihen, dass die Frau seine Mutter aus dem Haus getrieben hatte. Und bald heiratete er; nur eins hat seine Ex-Frau getröstet, das das nicht Anyetschka war.»
Alexandra begann mit den Töchtern bei Anna zu leben, die nicht konnte, sie in einem solchern Unheil allein lassen. Während Schura verheiratet war, warf sie der Mutter nie vor, aber jetzt erinnerte sie sich sogar an alle kindlichen Beleidigungen:
— Ich verzeihe dir nie, dass du mich als eine Kleine mit meinen Großeltern im Dorf gelassen hast!
— Hätte ich dich nicht gelassen, so würdest du nicht lebendig sein, versuchte Anna zu entgegnen.
— Nun, es wäre besser! — antwortete die Tochter unwirsch. –Und dein Platz ist im Zimmer, gehe und bete, misch dich nicht in mein Leben!
Es war bitter Ann, so etwas zu hören, und sie konnte nicht durch die Worte hören, dass die Beleidigung der Tochter nicht wegen ihr war, sonst wäre es nicht so gut mit ihr viele Jahre, sondern wegen des Mannes, der sie verlassen hatte. Nur war der Mann weit weg, sie konnte ihm nicht sagen, was sie wollte. Und die Mutter war nebenan, man konnte ihr alles aussprechen.
Die Jahre vergingen. Anna hatte schon die Urenkel innen — zwei Töchter der älteren Enkelin und einen Sohn der jüngeren Enkelin. Und dann wurde Alexandra schwer krank – die Onkologie. Es war eine Operation, ein Jahr später -die zweite und dann wurde sie ganz krank. Die Töchter kümmerte sich um sie so gut, wie sie nur konnten, tat ihr Bestes. Alle hofften, dass sie gesund wird, wollten nicht glauben, dass die Mutter starb.
Anna betete Tag und Nacht. Einmal betete sie neben dem Bett und nebenan saβ Elena, die das Licht über dem Kopf der Großmutter erblickte.Sie sagte ihr nichts, aber verstand, dass sie mit dem Herzen betete. Zur damaligen Zeit ging sie schon selbst in denTempel, las Gebete. Und es schien, dass Anna fühlte, dass Lena etwas gemerkt hatte. Sie sagt ihr:
— Hörst du? In jeder Ecke singen die Engel!
— Nein, ich höre nichts, erschrak die Enkelin.
— Oh, du … seufzte die Großmutter.
Alexandra ging ein Jahr vor ihrem Tod in den Tempel, einen Monat vor dem Tod legte sie eine Beichte ab und erhielt die Kommunion. Das zweite Mal hatte Anna ihr Kind zu begraben. Es war schwer, sie anzusehen. Sie war 86 Jahre alt, und ihre Tochter 56. Aber sie hielt das aus, betete, unterstützte die Enkelinnen. Als sie zum Friedhof fuhren, sagte sie:
— Nun gut, weint nicht, jetzt ist jede ihre Träne ein Stolperstein in der Tortur, betet!
Und Hände fest geballt, schaute sie in den Himmel.

Enkelinnen

Anna sagte einmal Elena: «Siehst du, ich habe Falten auf der Stirn in der Form eines Kreuzes — es ist das Zeichen Gottes, und du hast es auch.Du sollst wie ich sein.»
Und die war noch sehr jung, fühlte sich beleidigt: «Ich habe keine Falten!»Und sie schaute schnell in den Spiegel: was verleumdete da die Großmutter?
In den neunziger Jahren brach in Russland das zusammen, an was die Leute seit Jahrzehnten glaubten- die Hoffnung auf das kommunistische Paradies auf Erden. Die gebildete Leere hatte man mit etwas zu füllen.Die apathische Masse derer, die nicht wirklich glaubten — an Omen, Zauber, Bräuche usw. –strömten zuerst in die geöffneten orthodoxen Kirchen und dann übergingen viele von ihnen auch leicht in verschiedene Sekten. Diese Menschen hatten keine klare Position, keine festen Weltanschauungen, deshalb war es leicht, sie von einem anderen Glauben zu überzeugen, da sie leicht die ideologischen Zugeständnisse machten.
Lena kam in die Kirche nicht sofort: zuerst schwärmte sie für die Mystik, den Okkultismus, sie wollte nicht, dass «Freiheit» der neunziger Jahre an ihr vorbeging.Sie las Blavatskaya, Roerich, Lazarev, aber sie lehnte nicht ab, an was ihre Großmutter glaubte…Anna betete für sie, und ihre Enkelin überwand all das und wurde orthodox.
Aber Ludmila ist in die Sekte der Zeugen von Jehova geraten. Und alles orthodox ärgerte sie sehr.Als ihre Mutter vor dem Tod eine Beichte ablegen und die Kommunion erhalten wollte, so wollte Luda sehr, dass das nicht geschah.
Und zum ersten Mal verschwand in dem Tempel ein Zettel mit der Adresse, man musste das zweite Mal in die Kirche gehen, um das zu regeln. Und das zweite Mal ging der Priester am Haus vorbei, zum Glück stand Lena am Fenster, sah ihn und lief ihm nach,holte ihn ein. Lyudmila war überrascht, dass der Priester gekommen war: sie selbst arbeitete in dieser Zeit, aber sie war irgendwie ganz sicher, dass der Priester zu ihrer Mutter nicht kam.
Luda war gut, aber in den 90er Jahren sind viele Leute in verschiedene Sekten geraten. Elena hatte auch ein großes Interesse für den Okkultismus. Das zwanzige Jahrhundert war voll von Krisen und Katastrophen: zwei Weltkriege, Revolutionen und Bürgerkriege, lokale militärische Konflikte, Wirtschaftskrisen, darunter auch von solcher Gröβe wie die Groβe Depression, die Zerstörung der traditionellen Gesellschaft, in der öffentlichen Meinung das Löschen der Unterschie zwischen dem Guten und dem Bösen.Es ist nicht wunderlich, dass viele Menschen in Erwartung der letzten Krise – des Endes der Weltgeschichte- lebten.
Ein Beweis dafür sind regelmäßig erklärte und dann «verschobene» Daten des Weltendes» der verschiedenen religiösen Sekten, die sowohl die nebenchristlichen Sekten , als auch solche waren, die ihre Offenbarungen aus den Prophezeiungen von Nostradamus und dem Maya-Kalender schöpften.
Zum Beispiel führten die Zeugen von Jehova, zu denen Lyudmila geraten war, massive Agitationsampagnen durch, die dem kommenden «Ende der Welt» am Vorabend der Jahre 1914, 1925 und 1975 gewidmet waren; sie sagten es ganz bestimmt in den Jahren 1915 1918, 1920 1958, 1960, 1961, 1972 vorher und etwas vage — in der Mitte der 30er Jahre und Anfang der 40er und 80er Jahre des 20.Jahrhunderts. Der bekannte adventische Priester Doktor Mark Finley schrieb in den frühen 1990er Jahren: «Die heutige Generation wird nach oben schauen und das Kommen von Christus sehen. Der Gott hat vor, sich in die Geschichte einzugreifen und die Situation zu bereinigen. Für den Planeten Erde schlieβt sich der Vorhang. »
Allerdings denken die auf das allgemeine Ende der Welt wartenden Menschen oft nicht daran, dass es in ihren Seelen schon erfolgt hat. In dieser Hinsicht können wir uns an die Worte des Patriarchen von Moskau und ganz Russland Kyrill erinnern: «Der Schrecken und die Kälte von der Apokalypse berühren vor allem unsere Herzen — dort beginnt eineTragödie. Aber wenn wir in der Lage sind, dem Bösen in uns und um uns herum zu widerstehen, so wird der Gott seine Gnade uns wieder geben, wie Er sie immer im Laufe der Geschichte der Menschhei t gab, den Menschen die Möglichkeit bietend, sich und die Welt zum Besseren zu verändern. «Es hängt weitgehend von jedem Menschen ab, in welchem Staat wir leben, wie die Welt um uns herum ist, obwohl manche versuchen, das zu verneinen.
Aber es ist schwierig, sich zu gestehen, dass es genug ist, nur in den Spiegel zu schauen, um zu verstehen, wer für alle deinen Probleme verantwortlich ist. Es ist einfacher, die Schuldigen herum zu suchen und sich selbst als»gewählt» zu betrachten. Aber viele Sekten geben dieses falsche Gefühl, auserwählt zu sein.
Nach Alexandras Tod, begann Anna mit Lyudmilla und ihrer Familie zu leben. Sie hatte ihr eigenes Zimmer. Niemand beleidigte sie. Aber die Ikonen der Großmutter ärgerten Lyuda: die Zeugen von Jehova hielten sie ja für die Götzen.
— Hole sie weg! –bat Annuschka Lena, aber sie nahm nur zwei Ikonen und das Kreuz: sie wollte nicht, dass die Großmutter ohne das lebte, an was sie sich gewöhnt hatte.
— Das sind deine Ikonen, wie wirst du ohne sie leben? Und du wirst noch leben, wir brauchen dich!-sagte sie.
Aber Anna schüttelte nur den Kopf: sie fühlte etwas schlechtes. Einige Zeit kam Elena zu ihr nicht: die Kinder waren krank. Und sie träumte einen Traum, dass sie zu der Großmutter kam, und sie keine Ikonen in dem Zimmer hatte und es nur einige Zeitschriften «Wachtturm”gab. «Man muβ sie bald besuchen!» — denkt sie.
Und was? Lyudmilas Anhänger haben alle Ikonen verbrannt, sie haben beschlossen, ihr und und ihrer Verwandten zu helfen, sich von den Götzen zu befreien. Sie haben Anna durch Gespräche abgelenkt, sie können ja gut sprechen. Sie verstand nicht, warum man die Ikonen abnahm, sie dachte, dass sie irgendwohin umzog. Danach war sie voller Trauer, der Schmerz war deutlich in ihren Augen zu lesen: «Man hat die Mutter Gottes bei mir genommen!»
Lyudmila bedauerte später, dass sie so was der Groβmutter getan hatte. “Es war so, als ob ich nicht recht bei Sinnen war”.
Danach versteckte Anna Papierikonen, die ihr Elena gebracht hatte, unter die Matratze.
Vor dem Tod ehielt sie die letzte Ölung und die Kommunion. Die Großmutter war sehr dankbar der ältesten Enkelin, die den Priester eingeladen hatte.
Anna hat ihre Tochte nicht viel überlebt. Ihr Tod war überraschend ruhig. Als Elena den Psalter neben dem Sarg las, war es sehr ruhig und friedlich. Es schien der Frau, dass die Engel in allen Ecken sangen, wie ihr die Großmutter erzählt hatte, aber sie selbst hörte auch jetzt nichts. Ihre Beerdigung fand am ersten Sonntag in der Fastenzeit — am Sonntag des Festes der Orthodoxie statt. Und während der Beerdigung sagte der Priester, dass Gottes Kraft in der Schwäche mächtig ist, dass jene Menschen, die der Welt nicht sichtbar sind, über die wir nichts kennen, sind manchmal in den Augen Gottes viel wichtiger, als die starken und die ruhmreichen dieser Welt. Die Welt steht auf denen, die sie in der Wirklichkeit verachtet, und zwei Münzen der Witwe waren wertvoller vieler Schätze. Er nannte dieVerstorbene «Mutter Anna», sagte, dass sie ein frommes Leben geführt hatte. Die Nachbarn beschlossen, dass sie eine Nonne war, denn sie saβ noch nie auf der Bank mit ihnen und plauderte nicht, niemand wusste sie.
Anna gelang es nicht, das Gelübde aufzunehmen, aber ihre Enkelin wurde Nonne. Elena hat diese Entscheidung nach der Scheidung mit ihrem Mann getroffen, als ihre Töchter erwachsen wurden. Als das Gelübde bereits bestimmt wurde, träumte Elena einen Traum am Vorabend des Festes Aller in dem Russischen Land geschienenen Heiligen: eine Frauenstimme sagte: » Es wird ein Gelübde sein, nennt die Nonne Anna, zu Ehren ihrer Großmutter” Der Priester, der das Gelübde vollbringen sollte, hatte seine Pläne in Bezug auf den Namen, er glaubte an dieTräume nicht sehr. Er segnete, durchs Los das zu entscheiden, es fiel «Anna». So erfüllte sich durch die Enkelin der Traum von ihrer Großmutter.

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